An Eusebio

Karoline von Günderode

1806

Vergib, o Freund! daß ich mit kind′scher Sprache, Aus deines Herzens tiefem Heiligthume, Akkorde leise nachzulallen wage, Beim Höchsten aber schülerhaft verstumme.

Und reden möcht′ ich doch zu deinem Ruhme, Vergib der Kühnheit, daß ich nicht verzage. Den Sommer mein′ ich mit der Einen Blume, Und Einen Strahl entwand ich nur dem Tage.

Doch die Natur in ihrer heil′gen Fülle Sie offenbart sich ganz in jedem Handeln, Das höchste Leben in der tiefsten Stille.

Erhascht′ ich einen Zug aus deinem Bilde, Wie reichlich auch Gedanken in dir wandeln, So bist du′s ganz in deiner frommen Milde.

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Illustration zu An Eusebio

Interpretation

Das Gedicht "An Eusebio" von Karoline von Günderode ist eine Huldigung an einen Freund namens Eusebio. Die Dichterin bittet um Vergebung für ihre kindliche Sprache und ihre Schüchternheit, wenn sie aus der Tiefe seines Herzens Akkorde leise nachahmen und beim Höchsten verstummen möchte. Sie drückt den Wunsch aus, über ihn zu sprechen und seine Größe zu preisen, obwohl sie sich der Kühnheit bewusst ist, nicht zu verzagen. Sie vergleicht den Sommer mit einer einzigen Blume und entnimmt nur einen Strahl dem Tag, um die Einzigartigkeit und Besonderheit ihres Freundes zu betonen. Die Natur in ihrer heiligen Fülle offenbart sich ganz in jedem Handeln, und das höchste Leben findet sich in der tiefsten Stille. Die Dichterin fühlt sich bereichert, wenn sie nur einen Zug aus dem Bild ihres Freundes erhascht, denn wie reichlich auch die Gedanken in ihm wandeln mögen, er ist in seiner frommen Milde ganz und gar. Das Gedicht drückt die tiefe Bewunderung und Zuneigung der Dichterin für ihren Freund aus und betont gleichzeitig die Einzigartigkeit und Vollkommenheit seiner Persönlichkeit.

Schlüsselwörter

vergib ganz freund kind scher sprache herzens tiefem

Wortwolke

Wortwolke zu An Eusebio

Stilmittel

Alliteration
Akkorde leise nachzulallen wage
Hyperbel
Doch die Natur in ihrer heil'gen Fülle
Metapher
Den Sommer mein ich mit der Einen Blume
Personifikation
Und reden möcht' ich doch zu deinem Ruhme
Vergleich
Wie reichlich auch Gedanken in dir wandeln