An etliche Lobsprecher eines verstorbenen Heldens

Friedrich Freiherr von Logau

1648

An etliche Lobsprecher eines verstorbenen Heldens Ihr klugen, derer Faust die Feder embsig führet, Zu klagen dessen Tod, der an die Wolken rühret Durch Thaten ohne gleich, durch Thaten, die der Welt Deß Himmels kurtze Gunst hat einig fürgestellt Zum Eigenthum zwar nicht, zum Wunder aber allen, So weit der Titan leucht; der Mut mag euch entfallen, Daß diß, wo ewig Ding genug zu schaffen hat, Die Feder enden soll und ein papiernes Blat. Weicht ab von da, wo Fleiß gar schwerlich Frucht gewinnet; Klagt nichts so sehr als diß, daß klagen ihr nicht könnet.

Anhören

Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Illustration zu An etliche Lobsprecher eines verstorbenen Heldens

Interpretation

Das Gedicht "An etliche Lobsprecher eines verstorbenen Heldens" von Friedrich Freiherr von Logau kritisiert die übermäßige Lobpreisung eines verstorbenen Helden durch seine Anhänger. Die Lobpreiser werden als "kluge" bezeichnet, deren "Faust die Feder emsig führt", was auf ihre intellektuelle und schriftstellerische Tätigkeit hinweist. Sie beklagen den Tod des Helden, der durch seine Taten "an die Wolken rührt" und somit eine fast göttliche Stellung einnimmt. Die Welt hat durch die "kurze Gunst des Himmels" solche Taten nur einmal hervorgebracht, die nicht jedem gehören, aber für alle ein Wunder sind, so weit der Titan leuchtet. Der Dichter weist darauf hin, dass die Lobpreiser mutlos sind, wenn sie glauben, dass die Feder und ein Papierblatt ausreichen, um die ewigen Taten des Helden zu würdigen. Er fordert sie auf, sich von der Stelle zu entfernen, wo Fleiß nur schwer Früchte trägt, und stattdessen das zu beklagen, was sie nicht beklagen können: die Unfähigkeit, den Helden angemessen zu ehren. Das Gedicht verweist auf die Grenzen der menschlichen Ausdrucksfähigkeit und die Unmöglichkeit, die Größe des Helden in Worte zu fassen.

Schlüsselwörter

feder klagen thaten diß etliche lobsprecher verstorbenen heldens

Wortwolke

Wortwolke zu An etliche Lobsprecher eines verstorbenen Heldens

Stilmittel

Alliteration
Fleiß gar schwerlich Frucht gewinnet
Hyperbel
der an die Wolken rühret
Ironie
daß klagen ihr nicht könnet
Metapher
Die Feder embsig führet
Personifikation
Titan leucht