An Elisabeth v. K.
1897In deiner Seele mildem Lichte Ist mir der Frühling aufgeblüht; Gereift sind meine ersten Früchte, Allein von ihrem Strahl durchglüht.
Als, sich vom Staub empor zu ringen, Mein Geist noch matt die Flügel schlug, Liehst du ihm, Freundin, Kraft der Schwingen Und sporntest ihn zu kühnem Flug.
Die Sehnsucht, die zu lichtern Räumen Sich aufschwingt aus dem dunklen Hier, Der Seele Rausch in hohen Träumen Als Lebensmitgift gabst du mir.
Mit mir auf allen meinen Wegen Zogst du als Schutzgeist ungesehn, Und deiner Lippen milden Segen Fühlt′ ich um meine Stirne wehn.
Bei Nacht zu meinen Augenliden Hat sich im Traum dein Bild gesenkt, Bis es das Herz mit stillem Frieden Zum Ueberfließen mir getränkt.
Für alles, was du mir gegeben, Wo wär′ ein Dank, der nicht zu klein? Von einem vollen, ganzen Leben Die Ernte dacht′ ich dir zu weihn.
Nun, da du sankst zum frühen Grabe, Am kalten Marmor hingekniet Hab′ ich für dich nicht andre Gabe Als Thränen und dies arme Lied.
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Interpretation
Das Gedicht "An Elisabeth v. K." von Adolf Friedrich Graf von Schack ist eine tief empfundene Hommage an eine verstorbene Freundin, die der Dichter als eine Quelle der Inspiration und des Trostes in seinem Leben beschreibt. Die Verse zeichnen ein Bild einer Frau, deren sanftes Licht und Geist den Dichter auf seinem Lebensweg begleiteten und ihm Kraft und Mut verliehen. Der Dichter drückt seine Dankbarkeit für die Freundschaft und die geistige Unterstützung aus, die er von ihr empfing, und betont, wie sehr ihre Anwesenheit sein Leben bereichert hat. In den Strophen wird deutlich, dass die Freundin eine schützende und ermutigende Rolle innehatte, indem sie dem Dichter half, über seine eigenen Grenzen hinauszugehen und sich in höhere geistige Sphären zu erheben. Die Metaphern des Frühlings und der reifen Früchte symbolisieren die Erneuerung und Reifung des Dichters durch den Einfluss seiner Freundin. Die Erwähnung von "Sehnsucht" und "Träumen" deutet darauf hin, dass sie ihm auch die Fähigkeit gab, nach höheren Idealen und tieferen Einsichten zu streben. Das Gedicht endet mit einer ergreifenden Szene am Grab der Freundin, wo der Dichter seine Unfähigkeit ausdrückt, angemessenen Dank zu zeigen. Die Tränen und das "arme Lied" sind alles, was er als letzte Gabe für sie zurücklassen kann. Dies unterstreicht die tiefe Trauer und die Wertschätzung des Dichters für die verstorbene Freundin, deren Einfluss auf sein Leben unermesslich und unvergesslich ist.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- kalten Marmor
- Hyperbel
- Dies arme Lied
- Metapher
- Am kalten Marmor hingekniet
- Personifikation
- Die Ernte dacht′ ich dir zu weihn