An einen Wassertrinker

Johann Wilhelm Ludwig Gleim

1774

Trink’, betrübter, todtenblasser Wassertrinker, Rebenhasser, Trink’ doch Wein! Deine Wangen wirst du färben, Weiser werden, später sterben, Glücklich seyn!

Habt, ihr großen Götter! habet Für den Trank, den ihr uns gabet, Heißen Dank! O, wie duftet er der Nase, O, wie sprudelt er im Glase! Welche ein Trank!

Allen Kummer, alle Schmerzen Tödtet er, und alle Herzen Macht er froh! Durstig sang, zu seinem Preise, Dieses schon der große Weise, Salomo!

Ja, es müssen alle Weisen, Ja, es muß ihn Jeder preisen, Der ihn trinkt! Finster, grämlich, menschenfeindlich Läßt er Keinen! Seht, wie freundlich Er mir winkt!

Siehe, spricht der Rebenhasser, Wie so freundlich da mein Wasser Mir auch winkt! Ernster Weisheit bleibt ergeben, Wer, ein Feind vom Saft der Reben, Wasser trinkt.

Wasser, immer magst du winken! Wer zu klug ist, Wein zu trinken, Trinke dich! Wasser, weg von meinem Tische, Du gehörest für die Fische, Nicht für mich!

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Illustration zu An einen Wassertrinker

Interpretation

Das Gedicht "An einen Wassertrinker" von Johann Wilhelm Ludwig Gleim handelt von der Überzeugung, dass Wein dem Wasser als Getränk überlegen ist. Der Sprecher versucht einen "Wassertrinker" zu überzeugen, Wein zu trinken, da dieser angeblich glücklicher macht, Weisheit verleiht und das Leben verlängert. Der Wein wird als göttliches Geschenk gepriesen, das Kummer und Schmerzen vertreibt und alle Herzen froh macht. Der Sprecher zitiert sogar den weisen König Salomo, der angeblich den Wein lobte. Wein wird als freundlich und einladend dargestellt, der niemanden düster oder menschenfeindlich zurücklässt. Der "Wassertrinker" entgegnet jedoch, dass auch Wasser freundlich winkt und dass diejenigen, die dem Saft der Trauben feindlich gesinnt sind, ernster Weisheit treu bleiben, indem sie Wasser trinken. Am Ende weist der Sprecher das Wasser zurück und sagt, dass es für die Fische und nicht für ihn bestimmt ist. Er hält diejenigen, die zu klug sind, Wein zu trinken, für töricht und fordert das Wasser auf, von seinem Tisch zu verschwinden. Das Gedicht endet mit einer klaren Bevorzugung von Wein gegenüber Wasser.

Schlüsselwörter

wasser alle trink rebenhasser wein trank trinkt freundlich

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Alle Kummer, alle Schmerzen
Anapher
Trink’, betrübter, todtenblasser Wassertrinker, Rebenhasser, Trink’ doch Wein!
Anspielung
Durstig sang, zu seinem Preise, Dieses schon der große Weise, Salomo!
Beschluss
Wasser, immer magst du winken! Wer zu klug ist, Wein zu trinken, Trinke dich! Wasser, weg von meinem Tische, Du gehörest für die Fische, Nicht für mich!
Hyperbel
Welche ein Trank!
Ironie
Siehe, spricht der Rebenhasser, Wie so freundlich da mein Wasser Mir auch winkt!
Kontrast
Finster, grämlich, menschenfeindlich Läßt er Keinen! Seht, wie freundlich Er mir winkt!
Metapher
Ernster Weisheit bleibt ergeben, Wer, ein Feind vom Saft der Reben, Wasser trinkt.
Personifikation
O, wie duftet er der Nase, O, wie sprudelt er im Glase!