An einen unschuldig Leidenden

Andreas Gryphius

1657

XXXIV.

Ein Brand-Pfall und ein Rad / Pech / Folter / Bley und Zangen / Strick / Messer / Hacken / Beill / ein Holtzstoß und ein Schwerdt Vnd sidend Oel / und Bley / ein Spiß / ein glüend Pferd / Sind den’n nicht schrecklich die was schrecklich / nicht begangen.

Wer umb die Tugend leid’t / umb recht-thun wird gefangen Vnd wenn es Noth sein Blutt / doch ohne Schuld gewehrt Dem wird für kurtze Pein unendlich Preiß beschert / Er wird den Ehren-Krantz / der nicht verwelckt erlangen.

Er lebt in dem er stirbt / er steigt in dem er fällt / Er pocht was tödtlich ist und trotzt die grosse Welt / Vnd küst die Ewigkeit die er ihm anvertrauet.

Hat nicht der höchste selbst sein höchstes Wunderwerck Auff Salems Schädelberg vollbracht in höchster Stärck? Der ist kein rechter Christ / dem für dem Creutze grauet.

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Illustration zu An einen unschuldig Leidenden

Interpretation

Das Gedicht "An einen unschuldig Leidenden" von Andreas Gryphius handelt von der ungerechten Bestrafung eines Unschuldigen. Der Dichter beschreibt die verschiedenen Foltermethoden, die dem Opfer auferlegt werden, wie das Rad, die Peitsche, die Folter und das Beil. Diese grausamen Methoden werden als schrecklich dargestellt, obwohl das Opfer nichts Schreckliches getan hat. Gryphius betont, dass das Opfer für seine Tugendhaftigkeit und seinen Einsatz für das Recht bestraft wird. Trotz der kurzen Qualen wird dem Unschuldigen ein unendlicher Lohn zuteil, der ihm den unverwelklichen Ehrenkranz einbringt. Das Gedicht verdeutlicht den Kontrast zwischen dem körperlichen Leiden und dem geistigen Triumph des Opfers. Obwohl es körperlich stirbt, lebt es in seiner moralischen Integrität weiter. Es steigt auf, auch wenn es fällt, und trotzt der großen Welt. Das Opfer küsst die Ewigkeit, die ihm anvertraut wurde, und zeigt damit seinen Glauben an das ewige Leben. Gryphius betont, dass selbst der höchste Gott sein größtes Wunderwerk am Schädelberg von Salem vollbracht hat. Wer vor dem Kreuz zurückschreckt, ist kein wahrer Christ. Das Gedicht ruft dazu auf, standhaft zu bleiben und den Glauben zu bewahren, selbst inmitten des Leidens.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
Brand-Pfall und ein Rad / Pech / Folter / Bley und Zangen
Allusion
Der ist kein rechter Christ, dem für dem Creutze grauet
Anapher
Strick / Messer / Hacken / Beill / ein Holtzstoß und ein Schwerdt
Bildsprache
Ein Brand-Pfall und ein Rad / Pech / Folter / Bley und Zangen / Strick / Messer / Hacken / Beill / ein Holtzstoß und ein Schwerdt
Enjambement
Er lebt in dem er stirbt / er steigt in dem er fällt
Hyperbel
Vnd wenn es Noth sein Blutt, doch ohne Schuld gewehrt
Kontrast
Ein Brand-Pfall und ein Rad / Pech / Folter / Bley und Zangen / Strick / Messer / Hacken / Beill / ein Holtzstoß und ein Schwerdt
Metapher
Er wird den Ehren-Krantz, der nicht verwelckt erlangen
Personifikation
Er pocht was tödtlich ist und trotzt die grosse Welt
Rhetorische Frage
Wer umb die Tugend leid't, umb recht-thun wird gefangen