An einen Meerschaumkopf

Johann Heinrich Voß

1772

Du, aus Meerschaum gezeugt, bräunlicher Pfeifenkopf, Mit der Pflanze gefüllt, welche Tabago nährt; Dieses Band sei dir heilig, Das mit purpurnen Wellen spielt;

Und gewebt war, den Schnee einer beseelten Brust, Sanft zu röten! Umsonst! Denn der geliebteste Schmuck der Schönen soll künftig An dem würdigern Rohre wehn.

Du vertreibest den Gram, der aus verdüsterten Lüften brauset, du hauchst pythische Sprüche der Brust des forschenden Sehers, Und die Weisheit der Götter ein.

Deine Glorie strahlt fernen Jahrhunderten; Denn ich singe dein Rohr, und das Medusenhaupt, Das aus silbernem Rachen Die balsamische Lohe sprüht.

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Illustration zu An einen Meerschaumkopf

Interpretation

Das Gedicht "An einen Meerschaumkopf" von Johann Heinrich Voß ist eine Ode an eine Pfeife aus Meerschaum. Der Sprecher preist die Schönheit und den Nutzen der Pfeife, die aus dem Mineral Meerschaum geformt und mit Tabak aus Tabago gefüllt ist. Er vergleicht das Band, das die Pfeife schmückt, mit dem Schmuck einer geliebten Frau, der nun an der würdigeren Pfeife zu tragen kommt. Die Pfeife wird als Quelle der Weisheit und des Trostes dargestellt. Sie vertreibt die Trauer und haucht dem forschenden Seher pythische Sprüche und die Weisheit der Götter ein. Der Sprecher singt die Glorie der Pfeife, die fernen Jahrhunderten strahlt, und preist das Medusenhaupt, das aus dem silbernen Mund der Pfeife die balsamische Lohe spuckt.

Schlüsselwörter

brust meerschaum gezeugt bräunlicher pfeifenkopf pflanze gefüllt tabago

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Stilmittel

Alliteration
pythische Sprüche
Bildlichkeit
Das Medusenhaupt, Das aus silbernem Rachen Die balsamische Lohe sprüht
Hyperbel
Deine Glorie strahlt fernen Jahrhunderten
Metapher
Den Schnee einer beseelten Brust
Personifikation
Du vertreibest den Gram, der aus verdüsterten Lüften brauset
Symbolik
Band mit purpurnen Wellen