An einen Maler

Friedrich von Hagedorn

1704

Willst du den Stolz für alle kenntlich malen, So laß den Muth ihm aus den Augen strahlen! Sein Blick sei Hohn: ein Trotz, der herrisch droht, Krümm′ ihm den Mund, färb′ ihm die Wangen roth: Er spiegle sich, voll Freude sich zu sehen: Es mag ein Pfau ihm steif zur Seite stehen: Und fehlt ihm ja noch was an Aehnlichkeit, So gib ihm Calchas Kropf, und Wanst, und Priesterkleid!

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Interpretation

Das Gedicht "An einen Maler" von Friedrich von Hagedorn ist eine Anleitung an einen Maler, wie er den Stolz in einem Porträt darstellen soll. Der Dichter beschreibt detailliert die Merkmale, die den stolzen Charakter eines Menschen widerspiegeln sollen. Die Augen sollen Mut und Stolz ausstrahlen, der Blick sollte hämisch und herrisch sein, der Mund spöttisch und die Wangen rot vor Erregung. Der stolze Mensch soll sich selbst bewundern und von einem Pfau begleitet werden, was seine Eitelkeit symbolisiert. Der Dichter verwendet eine Reihe von Metaphern und Vergleichen, um die Darstellung des Stolzes zu verdeutlichen. Der Pfau steht beispielsweise für die Eitelkeit und Selbstverliebtheit des stolzen Menschen. Die Aufforderung, dem Porträtierten den Kropf, den Wanst und das Priesterkleid des Calchas zu geben, ist eine weitere Metapher für den übersteigerten Stolz und die Selbstüberschätzung. Calchas war in der griechischen Mythologie ein Prophet, der sich oft als allwissend und überlegen darstellte. Das Gedicht ist eine Kritik an der menschlichen Eitelkeit und dem Stolz. Hagedorn nutzt die Anweisungen an den Maler, um die negativen Aspekte des Stolzes zu verdeutlichen. Der stolze Mensch wird als selbstverliebt, herrisch und überheblich dargestellt. Die detaillierten Anweisungen zur Darstellung dieser Eigenschaften dienen dazu, die Absurdität und das Ausmaß des Stolzes zu betonen.

Schlüsselwörter

willst stolz alle kenntlich malen laß muth augen

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Stilmittel

Bildsprache
So laß den Muth ihm aus den Augen strahlen!
Hyperbel
Und fehlt ihm ja noch was an Aehnlichkeit, So gib ihm Calchas Kropf, und Wanst, und Priesterkleid!
Metapher
Willst du den Stolz für alle kenntlich malen
Personifikation
Sein Blick sei Hohn: ein Trotz, der herrisch droht
Vergleich
Es mag ein Pfau ihm steif zur Seite stehen