An einen jungen Dichter
1806Verstecke dich und statt zu fliegen krieche! So sprach mit Recht ein weiser alter Grieche, Und traun! der Mann sah tief in unser Herz. Des Bruders Glück ist seinem Bruder Schmerz; Stets ungerecht, voll Neid ist unsre Seele, Sie leidet, wenn geehrt ein andrer ist. Verdiene Ruhm! Doch daß dir Glück nicht fehle, So werde nicht genannt, eh du gestorben bist.
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Interpretation
Das Gedicht "An einen jungen Dichter" von Heinrich Christian Boie thematisiert die menschliche Natur und den Umgang mit Neid und Ruhm. Es beginnt mit einer Anweisung, sich zu verstecken und nicht zu fliegen, sondern zu kriechen, was als metaphorische Warnung vor dem Streben nach öffentlicher Anerkennung verstanden werden kann. Der Verweis auf einen "weisen alten Griechen" unterstreicht die zeitlose Gültigkeit dieser Weisheit, die tief in die menschliche Psyche blickt. Das Gedicht beschreibt die menschliche Seele als ungerecht und voller Neid, die leidet, wenn ein anderer geehrt wird. Diese Darstellung der menschlichen Natur verdeutlicht die Schwierigkeiten, denen sich ein junger Dichter gegenübersieht, der nach Ruhm strebt. Die Gesellschaft wird als neidisch und ungerecht dargestellt, was den Weg zum Erfolg und zur Anerkennung erschweren kann. Abschließend gibt das Gedicht eine paradoxe Empfehlung: Der junge Dichter soll Ruhm verdienen, aber nicht genannt werden, bevor er gestorben ist. Dies kann als Ratschlag verstanden werden, den eigenen Wert und die eigene Arbeit nicht von der öffentlichen Anerkennung abhängig zu machen. Der Dichter soll sich auf sein Schaffen konzentrieren und nicht von der Aussicht auf Ruhm oder dem Neid anderer beeinflussen lassen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Hyperbel
- So werde nicht genannt, eh du gestorben bist
- Ironie
- So sprach mit Recht ein weiser alter Grieche
- Kontrast
- Des Bruders Glück ist seinem Bruder Schmerz
- Metapher
- Verstecke dich und statt zu fliegen krieche!
- Personifikation
- Stets ungerecht, voll Neid ist unsre Seele