An einen Frühverstorbenen
1900O, der schwarze Engel, der leise aus dem Innern des Baums trat, Da wir sanfte Gespielen am Abend waren, Am Rand des blänlichen Brunnens. Ruhig war unser Schritt, die runden Augen in der braunen Kühle des Herbstes, O, die purpurne Süße der Sterne.
Jener aber ging die steinernen Stufen des Mönchsbergs hinab, Ein blaues Lächeln im Antlitz und seltsam verpuppt In seine stillere Kindheit und starb; Und im Garten blieb das silberne Antlitz des Freundes zurück, Lauschend im Laub oder im alten Gestein.
Seele sang den Tod, die grüne Verwesung des Fleisches Und es war das Rauschen des Walds, Die inbrünstige Klage des Wildes. Immer klangen von dämmernden Turmen die blauen Glocken des Abends.
Stunde kam, da jener die Schatten in purpurner Sonne sah, Die Schatten der Fänlnis in kahlem Geäst; Abend, da an dämmernder Mauer die Amsel sang, Der Geist des Frühverstorbenen stille im Zimmer erschien.
O, das Blut, das aus der Kehle des Tönenden rinnt, Blaue Blume; o die feurige Träne Geweint in die Nacht.
Goldene Wolke und Zeit. In einsamer Kammer Lädst du öfter den Toten zu Gast, Wandelst in trautem Gespräch unter Ulmen den grünen Fluß hinab.
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Interpretation
Das Gedicht "An einen Frühverstorbenen" von Georg Trakl handelt von einem jungen Menschen, der frühzeitig verstorben ist und von dem Erzähler in Erinnerung behalten wird. Der erste Teil des Gedichts beschreibt eine gemeinsame Kindheit, in der der Erzähler und der Verstorbene als sanfte Gespielen am Abend am Brunnen verbrachten. Die Atmosphäre ist ruhig und von einer natürlichen Schönheit geprägt, symbolisiert durch die purpurne Süße der Sterne. Im zweiten Teil des Gedichts wird der Verstorbene als jemand dargestellt, der in seiner Kindheit verharrt und schließlich stirbt. Die Bilder sind düster und traurig, wie das Blut, das aus der Kehle rinnt, und die feurige Träne, die in die Nacht geweint wird. Die Seele des Verstorbenen singt den Tod und die grüne Verwesung des Fleisches, während die Natur um ihn herum in Klage versinkt. Im letzten Teil des Gedichts wird der Verstorbene als Geist dargestellt, der in der Nacht erscheint und vom Erzähler in einsamer Kammer als Gast empfangen wird. Die Erinnerung an den Verstorbenen ist geprägt von einer Mischung aus Trauer und Trost, da der Erzähler in trautem Gespräch mit dem Toten unter den Ulmen am Fluss wandelt. Das Gedicht ist eine ergreifende Hommage an einen früh Verstorbenen und eine Reflexion über die Vergänglichkeit des Lebens.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Die Schatten der Fänlnis in kahlem Geäst
- Metapher
- Die feurige Träne
- Onomatopoesie
- Es war das Rauschen des Walds
- Personifikation
- Lädst du öfter den Toten zu Gast