An einen Freund
1808Du nimmst als Strebenden den kranken Mann, siehst als noch Lebenden den Toten an. O rufe nicht zur Wehr, mich nicht zum Tun; mir ziemt kein Kämpfen mehr, mir ziemt nur Ruhn.
Lieg ich im Bette hier wie in der Gruft, steigt der Gedanke mir hoch in die Luft; ich überschau als Schwan mit Vogelblick des Lebens wirre Bahn und mein Geschick.
Nicht war, was ich geschafft, allwege gut. Ach, bald gebrach′s an Kraft und bald an Mut. Hier von des Glückes Huld ward ich begrüßt; dort hab′ ich eigne Schuld wie schwer gebüßt.
Das, halb im Traume, geht an mir vorbei, mein Leben ist verweht, und ich bin frei. Was blieb dir, Seele, nun, als daß mit Ernst du in dir selber ruhn, du sterben lernst?
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Interpretation
Das Gedicht "An einen Freund" von David Friedrich Strauß ist eine tiefgründige Reflexion über Leben, Sterben und die Akzeptanz des eigenen Schicksals. Der Sprecher, offensichtlich ein kranker Mann, der dem Tod nahe ist, richtet sich an einen Freund, der ihn als "Strebenden" und "noch Lebenden" sieht. Der Sprecher selbst jedoch hat den Kampf aufgegeben und sehnt sich nach Ruhe. Er betrachtet sein Leben aus der Ferne, wie ein Schwan, der mit einem weiten Blick über die "wirre Bahn des Lebens" und sein eigenes Schicksal schwebt. Er erkennt an, dass nicht alles, was er geschaffen hat, gut war, und dass er sowohl an Kraft als auch an Mut mangelte. Er erlebte sowohl Glück als auch schwere Schuld. Das Gedicht zeichnet ein Bild der Resignation und der Vorbereitung auf den Tod. Der Sprecher hat sein Leben hinter sich gelassen und fühlt sich frei. Er fordert seine Seele auf, in sich selbst zu ruhen und den Tod zu lernen. Dies ist kein Aufruf zur Verzweiflung, sondern vielmehr eine Einladung zur inneren Einkehr und zur Annahme des unvermeidlichen Endes. Das Gedicht ist eine bewegende Darstellung des menschlichen Kampfes mit der Sterblichkeit und der Suche nach Frieden im Angesicht des Todes. Die Sprache des Gedichts ist einfach und direkt, aber voller tiefer Emotionen und philosophischer Überlegungen. Die Bilder des Schwans und des Bettes als Gruft sind besonders eindrucksvoll und tragen zur allgemeinen Stimmung der Ruhe und Akzeptanz bei. Trotz der Schwere des Themas vermittelt das Gedicht eine gewisse Gelassenheit und Weisheit, die aus der Akzeptanz des eigenen Schicksals entsteht.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Kontrast
- Das, halb im Traume, geht an mir vorbei, mein Leben ist verweht, und ich bin frei
- Metapher
- Du nimmst als Strebenden den kranken Mann, siehst als noch Lebenden den Toten an
- Symbolik
- mit Vogelblick
- Vergleich
- Lieg ich im Bette hier wie in der Gruft