An einen Freund

Friedrich Hebbel

1813

Was dir Schlimmes oder Gutes Auch das Leben bringen kann, Nimmst du stets gelaßnen Mutes Und zufriednen Sinnes an.

Nur das Ganze macht dir Sorgen, Nur, was nie ein Mensch ermißt, Ob ein Rätsel drin verborgen, Und ob dies zu lösen ist.

Kann der Buchstab′ denn ergründen, Was das Wort bedeuten soll? Wenn sich alle treu verbunden, Wird es ja von selber voll.

Nimm die Traube, wie die Beere, Nimm das Leben, wie den Tag! Was es auch zuletzt beschere, Immer bleibt′s ein Lustgelag!

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Illustration zu An einen Freund

Interpretation

Das Gedicht "An einen Freund" von Friedrich Hebbel beschäftigt sich mit der Haltung, die man gegenüber den Höhen und Tiefen des Lebens einnehmen sollte. Der Sprecher rät seinem Freund, sowohl das Schlechte als auch das Gute, das das Leben bringen mag, mit Gelassenheit und Zufriedenheit anzunehmen. Es wird betont, dass man sich nicht über das Einzelne sorgen soll, sondern nur über das Ganze, das oft ein Rätsel bleibt und von niemandem vollständig erfasst werden kann. In der zweiten Strophe wird die Idee aufgegriffen, dass das Leben wie ein Buchstabenrätsel ist, bei dem es darum geht, die Bedeutung des Ganzen zu verstehen. Der Sprecher fragt, ob es möglich ist, den Buchstaben zu ergründen, wenn das Wort, das er bildet, die eigentliche Bedeutung hat. Er schlägt vor, dass sich die Bedeutung von selbst offenbart, wenn alle Teile des Lebens treu verbunden sind. Die letzte Strophe des Gedichts ermutigt dazu, das Leben so zu nehmen, wie es kommt, und jeden Tag zu genießen, so wie man eine Traube oder eine Beere genießt. Der Sprecher betont, dass es egal ist, was am Ende herauskommt, das Leben bleibt immer ein Freudenfest. Es wird also eine optimistische und genussvolle Lebenshaltung gefordert, die sich nicht von den Unsicherheiten und Rätseln des Lebens beeindrucken lässt.

Schlüsselwörter

leben kann nimm schlimmes gutes bringen nimmst stets

Wortwolke

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Stilmittel

Anapher
Was dir Schlimmes oder Gutes / Auch das Leben bringen kann
Metaphor
Nimm die Traube, wie die Beere
Personifikation
Nimmst du stets gelaßnen Mutes
Rhetorische Frage
Kann der Buchstab′ denn ergründen, / Was das Wort bedeuten soll?