An einen, der vorübergeht

Hugo von Hofmannsthal

1891

Du hast mich an Dinge gemahnet, Die heimlich in mir sind, Du warst für die Saiten der Seele Der nächtige flüsternde Wind

Und wie das rätselhafte Das Rufen der atmenden Nacht, Wenn draußen die Wolken gleiten Und man aus dem Traum erwacht,

Zu blauer weicher Weite Die enge Nähe schwillt, Durch Zweige vor dem Monde Ein leises Zittern quillt.

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Illustration zu An einen, der vorübergeht

Interpretation

Das Gedicht "An einen, der vorübergeht" von Hugo von Hofmannsthal handelt von der tiefen emotionalen Wirkung, die eine zufällige Begegnung auf den lyrischen Ich haben kann. Der vorbeigehende Mensch erinnert den Sprecher an verborgene Gefühle und Sehnsüchte, die tief in seiner Seele schlummern. Diese inneren Regungen werden mit dem nächtlichen Flüstern des Windes verglichen, der die Saiten der Seele zum Schwingen bringt. Die Atmosphäre des Gedichts ist von einer geheimnisvollen, fast traumhaften Stimmung geprägt. Der Sprecher beschreibt die nächtliche Szenerie mit flüsternden Wolken und dem rätselhaften Rufen der atmenden Nacht. Diese Bilder evozieren ein Gefühl von Weite und Unendlichkeit, das im Kontrast zur engen Nähe der eigenen Gedanken steht. Die Metapher der Seele als Instrument, das durch den Wind zum Klingen gebracht wird, unterstreicht die Idee, dass die Begegnung eine tiefe emotionale Resonanz im Sprecher ausgelöst hat. Im letzten Vers des Gedichts kulminiert die Beschreibung der inneren Erregung in dem Bild des leisen Zitterns, das durch die Zweige vor dem Mond fließt. Dieses Zittern symbolisiert die feinen Regungen und Empfindungen, die durch die Begegnung in der Seele des Sprechers ausgelöst wurden. Die Sprache des Gedichts ist von einer zarten, fast zerbrechlichen Schönheit, die die Intimität und Tiefe der erlebten Emotionen einfängt.

Schlüsselwörter

hast dinge gemahnet heimlich warst saiten seele nächtige

Wortwolke

Wortwolke zu An einen, der vorübergeht

Stilmittel

Alliteration
Nächtige flüsternde
Bildlichkeit
Zu blauer weicher Weite / Die enge Nähe schwillt
Metapher
Du warst für die Saiten der Seele / Der nächtige flüsternde Wind
Personifikation
Das Rufen der atmenden Nacht
Rhythmus
Und wie das rätselhafte / Das Rufen der atmenden Nacht
Vergleich
Du hast mich an Dinge gemahnet