An einen Arcadier

Friedrich von Hagedorn

1733

laeva in parte mamillae Nil salit Arcadico juveni.

Du grübelst Tag und Nacht, umringt vom Dichterchor, Der in Athen und Rom der Kenner Lust gewesen. Was nutzt dein stummer Fleiß? Was hilft dein blindes Lesen? Dein bleierner Verstand steigt nicht, durch sie, empor. Es scheint fast jede Müh′ vom Ziel dich zu entfernen. An Witze bist du arm, doch an Poeten reich, Und nur den schweren Ankern gleich, Die stets im Wasser sind, und nimmer schwimmen lernen.

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Illustration zu An einen Arcadier

Interpretation

Das Gedicht "An einen Arcadier" von Friedrich von Hagedorn kritisiert die vergeblichen Bemühungen eines jungen Mannes, der sich mit klassischer Dichtung beschäftigt, jedoch ohne Erfolg. Der Sprecher deutet an, dass der junge Mann, trotz seiner intensiven Beschäftigung mit den Werken der Dichter aus Athen und Rom, nicht in der Lage ist, deren Geist und Witz zu erfassen oder zu reproduzieren. Die Metapher des schweren Ankers, der stets im Wasser ist und nie schwimmen lernt, verdeutlicht die Unfähigkeit des Arcadiens, trotz ständiger Bemühungen die Kunst des poetischen Ausdrucks zu meistern. Die Bildsprache des Gedichts, insbesondere die Anspielung auf die linke Brustseite ("laeva in parte mamillae"), könnte als Symbol für die unerreichbare oder unberührte Seite der Dichtkunst interpretiert werden, die der Arcadier trotz seiner Bemühungen nicht erreichen kann. Die Verwendung des lateinischen Ausdrucks unterstreicht die klassische Bildung, die der junge Mann anstrebt, aber nicht erreicht. Die Kritik richtet sich gegen eine oberflächliche Beschäftigung mit der Literatur, die nicht zu echtem Verständnis oder kreativem Ausdruck führt. Hagedorns Gedicht spiegelt die Aufklärungsideale wider, die eine echte Auseinandersetzung mit der Literatur und den Künsten fordern, anstatt nur eine mechanische Aneignung von Wissen. Der Arcadier wird als jemand dargestellt, der reich an Dichtern, aber arm an eigenen Witzen ist, was auf einen Mangel an Originalität und Kreativität hinweist. Das Gedicht ermutigt dazu, über die reine Textkenntnis hinauszugehen und eine tiefere, persönliche Verbindung zur Dichtkunst zu suchen.

Schlüsselwörter

laeva parte mamillae nil salit arcadico juveni grübelst

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Du grübelst Tag und Nacht
Metapher
bleierner Verstand
Personifikation
Dein bleierner Verstand steigt nicht, durch sie, empor
Vergleich
Und nur den schweren Ankern gleich, Die stets im Wasser sind, und nimmer schwimmen lernen