An eine Wolke
unknownReich mir die Hand, o Wolke, Heb′ mich zu dir empor! Dort stehen meine Brüder Am offnen Himmelsthor.
Sie sind′s, obgleich im Leben Ich niemals sie gesehn: Ich seh′ in ihrer Mitte Ja unsern Vater stehn!
Sie schaun auf mich hernieder, Sie winken mir zu sich. O reich′ die Hand mir, Wolke, Schnell, schnell erhebe mich!
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Interpretation
Das Gedicht "An eine Wolke" von Elisabeth Kulmann thematisiert das Verlangen nach einer Verbindung zu verstorbenen Brüdern und dem Vater. Die Sprecherin richtet ihren Appell an eine Wolke, die sie zu ihren Brüdern tragen soll, die bereits im Himmel stehen. Die Wolke symbolisiert dabei eine Brücke zwischen der irdischen und der himmlischen Welt. Die Sprecherin betont, dass sie ihre Brüder im Leben nie gesehen hat, aber dennoch eine tiefe Verbindung zu ihnen spürt. Sie erkennt sie in ihrer Mitte und sieht sogar ihren Vater unter ihnen stehen. Dies deutet auf eine starke familiäre Bindung hin, die den Tod überdauert. Die Brüder blicken auf die Sprecherin herab und winken ihr zu sich, was ihr Verlangen verstärkt, zu ihnen zu gelangen. Die Sprecherin bittet die Wolke inständig, ihr die Hand zu reichen und sie schnell emporzuheben. Der wiederholte Appell "Reich mir die Hand" unterstreicht die Dringlichkeit und Intensität ihres Verlangens. Die Wolke wird als Vermittlerin zwischen der irdischen und der himmlischen Sphäre gesehen, die die Sprecherin zu ihren Brüdern und ihrem Vater bringen soll. Das Gedicht vermittelt eine Sehnsucht nach einer Wiederbegegnung mit den verstorbenen Angehörigen und den Wunsch, dem irdischen Dasein zu entfliehen und in die himmlische Gemeinschaft aufgenommen zu werden.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Apostrophe
- Reich mir die Hand, o Wolke
- Bildsprache
- Sie schaun auf mich hernieder, Sie winken mir zu sich
- Metapher
- Dort stehen meine Brüder Am offnen Himmelsthor
- Personifikation
- Reich mir die Hand, o Wolke, Hebe mich zu dir empor!
- Wiederholung
- O reich′ die Hand mir, Wolke, Schnell, schnell erhebe mich!