An eine Tänzerin
1837Kastagnetten lustig schwingen Seh ich dich, du zierlich Kind! Mit der Locken schwarzen Ringen Spielt der sommerlaue Wind. Künstlich regst du schöne Glieder, Glühendwild, Zärtlichmild Tauchest in Musik du nieder Und die Woge hebt dich wieder.
Warum sind so blaß die Wangen, Dunkelfeucht der Augen Glanz, Und ein heimliches Verlangen Schimmert glühend durch den Tanz? Schalkhaft lockend schaust du nieder, Liebesnacht Süß erwacht, Wollüstig erklingen Lieder - Schlag nicht so die Augen nieder!
Wecke nicht die Zauberlieder In der dunklen Tiefe Schoß, Selbst verzaubert sinkst du nieder, Und sie lassen dich nicht los. Tödlich schlingt sich um die Glieder Sündlich Glühn, Und verblühn Müssen Schönheit, Tanz und Lieder, Ach, ich kenne dich nicht wieder!
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Interpretation
Das Gedicht "An eine Tänzerin" von Joseph von Eichendorff beschreibt die Beobachtung einer Tänzerin, die mit Kastagnetten tanzt. Der erste Teil des Gedichts schildert die äußere Erscheinung der Tänzerin, ihre Bewegungen und die Musik, die sie begleitet. Die Tänzerin wird als zierliches Kind mit schwarzen Locken dargestellt, das ihre Glieder kunstvoll bewegt und in die Musik eintaucht. Im zweiten Teil des Gedichts ändert sich die Stimmung. Der Sprecher fragt sich, warum die Wangen der Tänzerin so blass sind und ihre Augen einen dunklen Glanz haben. Er spürt ein heimliches Verlangen in ihrem Tanz und bemerkt, dass sie schalkhaft und liebesnächtig blickt. Die Musik wird als wollüstig beschrieben, und der Sprecher bittet die Tänzerin, nicht so schüchtern zu sein und ihre Augen nicht zu senken. Im letzten Teil des Gedichts warnt der Sprecher die Tänzerin davor, die Zauberlieder in der Tiefe ihres Schoßes zu wecken. Er befürchtet, dass sie selbst verzaubert sein wird und nicht mehr loskommen kann. Die Schönheit, der Tanz und die Lieder werden als sündhaft glühend beschrieben, und der Sprecher gibt zu, dass er die Tänzerin nicht mehr wiedererkennt. Das Gedicht endet mit einem Gefühl der Trauer und des Verlusts.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Künstlich regst du schöne Glieder
- Bildsprache
- Warum sind so blaß die Wangen, / Dunkelfeucht der Augen Glanz
- Enjambement
- Schalkhaft lockend schaust du nieder, / Liebesnacht / Süß erwacht
- Hyperbel
- Tödlich schlingt sich um die Glieder
- Kontrast
- Glühendwild, / Zärtlichmild
- Metapher
- Mit der Locken schwarzen Ringen / Spielt der sommerlaue Wind
- Personifikation
- Und die Woge hebt dich wieder
- Symbolik
- Wecke nicht die Zauberlieder / In der dunklen Tiefe Schoß