An eine Quelle

Matthias Claudius

1815

Du kleine grünumwachsne Quelle, An der ich Daphne jüngst gesehn! Dein Wasser war so still! so helle! Und Daphnes Bild darin, so schön!

Oh, wenn sie sich nochmal am Ufer sehen läßt, So halte du ihr schönes Bild doch fest; Ich schleiche heimlich denn mit nassen Augen hin, Dem Bilde meine Not zu klagen;

Denn, wenn ich bei ihr selber bin, Denn, ach! denn kann ich ihr nichts sagen.

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Interpretation

Das Gedicht "An eine Quelle" von Matthias Claudius handelt von der unerfüllten Liebe des lyrischen Ichs zu einer Frau namens Daphne. Die Quelle dient als Spiegel, in dem sich Daphnes Schönheit widerspiegelt und das lyrische Ich fasziniert beobachtet. Die Ruhe und Klarheit des Wassers symbolisiert die Reinheit und Unschuld der Geliebten. In den folgenden Strophen wird die Sehnsucht und Verzweiflung des lyrischen Ichs deutlich. Es wünscht sich, dass Daphne erneut am Ufer erscheint, damit die Quelle ihr Bild festhalten kann. Das lyrische Ich schleicht sich heimlich heran, um dem Spiegelbild seine Not zu klagen. Es fühlt sich unfähig, Daphne in ihrer Gegenwart seine Gefühle zu offenbaren. Das Gedicht vermittelt die Intensität der unerfüllten Liebe und die Hilflosigkeit des lyrischen Ichs. Die Quelle wird zum Stellvertreter für die direkte Kommunikation mit der Geliebten. Das lyrische Ich ist so überwältigt von seiner Leidenschaft, dass es sich nicht traut, Daphne persönlich seine Liebe zu gestehen. Die letzte Strophe verdeutlicht die tiefe Verzweiflung und das Gefühl der Unmöglichkeit, die das lyrische Ich in Bezug auf seine Liebe empfindet.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Dein Wasser war so still! so helle!
Anapher
Denn, wenn ich bei ihr selber bin, Denn, ach! denn kann ich ihr nichts sagen
Apostrophe
Du kleine grünumwachsne Quelle
Bild
Und Daphnes Bild darin, so schön!
Hyperbel
Ich schleiche heimlich denn mit nassen Augen hin
Metapher
Du kleine grünumwachsne Quelle
Personifikation
Dein Wasser war so still! so helle!