An eine Orangenblüte
unknownWas willst du in den kalten Zonen, O Blume, die aus Süden kam? Auch ich muß in der Fremde wohnen Voll Sehnsucht und voll Gram.
Und beide nur ein kläglich Leben, Im Krankenhause, leben wir; Was uns der Heimat Götter geben, Wer nützt und liebt es hier?
Verschließe deine zarten Düfte, Den Kelch von Wohlgerüchen schwer, Und ströme nicht in Todtengrüfte Des höchsten Lebens Meer.
Auch sie, der unter milderm Himmel Wol manches kleine Lied entquoll, Die Harfe schweigt im Kriegsgetümmel, Sie klang so minnevoll.
Dort magst du wieder dich entfalten, Wo deine warme Heimat blüht; Dort, wo die stillen Zauber walten, Sing′ ich ein neues Lied.
Und können wir es nicht erwerben, Der höchsten Sehnsucht höchstes Ziel, So laß uns welken, laß uns sterben In schmerzlichem Gefühl.
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "An eine Orangenblüte" von Max von Schenkendorf handelt von der Sehnsucht nach der Heimat und dem Schmerz der Verbannung. Die Orangenblüte, ein Symbol für die südliche Wärme und Schönheit, steht im Kontrast zu den kalten Zonen, in denen sich der Sprecher befindet. Beide, die Blume und der Sprecher, teilen das Schicksal, in der Fremde zu leben, voller Sehnsucht und Gram. Der zweite Teil des Gedichts vertieft das Thema der Heimweh und der Unmöglichkeit, in der Fremde glücklich zu sein. Die zarten Düfte der Orangenblüte werden als unpassend in der kalten Umgebung empfunden, ähnlich wie die Lieder des Sprechers, die in der Kriegszeit verstummen. Die Blume und der Sprecher sind Symbole für das, was in der Fremde nicht gedeihen kann. Im letzten Teil des Gedichts drückt der Sprecher den Wunsch aus, in die Heimat zurückzukehren, wo die Orangenblüte wieder erblühen und der Sprecher neue Lieder singen kann. Sollte dies nicht möglich sein, so ist der Tod in der Fremde, erfüllt von schmerzlichem Gefühl, der einzige Ausweg. Das Gedicht ist eine eindringliche Darstellung der menschlichen Sehnsucht nach Heimat und der Qualen der Verbannung.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- Wo die stillen Zauber walten
- Personifikation
- Was uns der Heimat Götter geben