An eine Orange

Francisca Stoecklin

1920

Herrliche Frucht, im Haine behutsam gereift. Von Sonne und Südwind tausendmal geküßt, gerötet, gegoldet. Duftend und schwer ruhst Du in meiner Hand.

Wieviele Sonnenküsse, wieviele Regenschauer, wieviel Vollmondschein, welch ein großes warmes Land halte ich mi dir, Vollkommene! in meiner kleinen gewölbten Hand.

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Illustration zu An eine Orange

Interpretation

Das Gedicht "An eine Orange" von Francisca Stoecklin beschreibt die Betrachtung einer Orange als ein Naturprodukt, das unter idealen Bedingungen gereift ist. Die Frucht wird als "herrliche" und sorgfältig gereifte Kugel dargestellt, die von der Sonne und dem Südwind verwöhnt wurde. Die poetische Sprache betont die Schönheit und Vollkommenheit der Orange, die durch die Metapher des "Sonnenkusses" und des "Regenschauers" eine fast sinnliche Qualität erhält. Die zweite Strophe erweitert die Perspektive auf die Herkunft der Orange. Der Sprecher fragt sich, wie viele Sonnenküsse, Regenschauer und Vollmonde in dieser kleinen Frucht stecken. Die Orange wird zu einem Symbol für ein "großes warmes Land", das in der "kleinen gewölbten Hand" des Sprechers ruht. Die Metapher der Hand als Gefäß für ein ganzes Land unterstreicht die Intimität und die Verbundenheit des Menschen mit der Natur. Das Gedicht vermittelt eine tiefe Wertschätzung für die einfachen Dinge des Lebens. Die Orange wird nicht nur als Nahrungsmittel, sondern als Kunstwerk der Natur wahrgenommen. Die poetische Sprache und die Metaphern schaffen eine sinnliche und emotionale Verbindung zwischen dem Sprecher und der Frucht. Das Gedicht lädt den Leser ein, die Schönheit und die Komplexität der Natur in den kleinen Dingen des Alltags zu erkennen und zu würdigen.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Bildsprache
Duftend und schwer ruhst Du in meiner Hand
Hyperbel
Wieviele Sonnenküsse, wieviele Regenschauer, wieviel Vollmondschein
Kontrast
welch ein großes warmes Land halte ich mit dir, Vollkommene! in meiner kleinen gewölbten Hand
Metapher
Herrliche Frucht
Personifikation
Von Sonne und Südwind tausendmal geküßt, gerötet, gegoldet