An eine Jungfrau
1657XXXV.
Ob zwar eur eigen Lob hir gar nicht ist zu schauen / So nemt doch von mir an / was diser Feder Pflicht Vnd meine Pieris hat andern auffgericht / Die ihr nur übertrefft / O Crone der Jungfrauen.
Die Schrancken sind zu klein; dem heiligen Vertrauen / Der Demut / der Vernunfft / der Tugend hellem Licht Dem keusch und sitsam seyn / dem himmlischen Gesicht Kan in so kurtzer Schrifft ich kein’ Altar auffbauen.
Vnd fing ich dennoch an / wo bliebe der Verstand Die Jugend / das Geschlecht / des hohen Glückes Pfand / Der Mutter Freundligkeit / des Vatern hohe Sinnen
Vnd beyder teurer Ruhm / der gantz euch einverleibt? Vnd was noch mehr / ein Geist wie frey er immer schreibt? Wie hoch er immer geht / nicht recht hat preisen können.
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Interpretation
Das Gedicht "An eine Jungfrau" von Andreas Gryphius ist ein Lobgedicht auf eine junge Frau, die als Inbegriff von Tugend und Reinheit dargestellt wird. Der Dichter preist sie als "Crone der Jungfrauen", als Krone der Jungfrauen, und betont ihre überragenden Eigenschaften. Er erkennt an, dass die Grenzen der Sprache zu klein sind, um die Heiligkeit, Demut, Vernunft und Tugend dieser Frau angemessen zu würdigen. Gryphius gesteht ein, dass selbst in einer längeren Schrift ein Altar, ein Denkmal, nicht errichtet werden könnte, das ihrer würdig wäre. Trotz dieser Einschränkungen beginnt der Dichter dennoch, die Jungfrau zu preisen. Er erwähnt ihre Jugend, ihr Geschlecht, das als Pfand des hohen Glücks gilt, sowie die Freundlichkeit der Mutter und die hohen Sinne des Vaters. Der Ruhm beider Elternteile ist in ihr vereint. Gryphius deutet an, dass noch viel mehr über diese Frau gesagt werden könnte, aber selbst ein freier und hochfliegender Geist könnte nicht recht haben, sie zu preisen. Das Gedicht ist somit eine Hommage an die unvergleichliche Reinheit und Tugendhaftigkeit der Jungfrau, die selbst in den höchsten Lobpreisungen nicht vollständig erfasst werden kann.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Pflicht / Vnd meine Pieris
- Anapher
- Die Schrancken sind zu klein; dem heiligen Vertrauen / Der Demut / der Vernunfft / der Tugend hellem Licht / Dem keusch und sitsam seyn / dem himmlischen Gesicht / Kan in so kurtzer Schrifft ich kein’ Altar auffbauen.
- Hyperbel
- Die Schrancken sind zu klein
- Metapher
- O Crone der Jungfrauen
- Personifikation
- meine Pieris hat andern auffgericht