An eine Geschminckte
1616Was ist an Euch/ das Ihr Ewr eigen möget nennen? Die Zähne sind durch Kunst in leeren Mund gebracht; Euch hat der Schmincke dunst das Antlitz schöngemacht/ Daß Ihr tragt frembdes Haar/ kan leicht ein jederkennen/ Vnnd daß Ewr Wangen von gezwungner Rötebrennen/ Ist allen offenbahr/ deß Halses falsche Pracht/ Vnd die polirte Stirn wird billich außgelacht, Wenn man die salben sich schawt vmb die Runtzelntrennen. Wenn diß von aussen ist/ was mag wol in Euchsein/ Alß List vnd Trügerey/ Ich bild mir sicher ein/ Daß vnter einem Haupt/ das sich so falsch gezieret/ Auch ein falsch Hertze steh/ voll schnöderheucheley. Sambt eim geschminckten Sin vnd Gleißnereydarbey/ Durch welche (wer Euch trawt) wird jammerlichverführet.
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Interpretation
Das Gedicht "An eine Geschminckte" von Andreas Gryphius kritisiert die künstliche Schönheit einer Frau, die durch Schminke und andere Verzierungen ihr Aussehen manipuliert. Gryphius stellt die Authentizität der äußeren Schönheit in Frage und deutet an, dass diese Fassade nur Täuschung und Falschheit verbirgt. Er beschreibt, wie die Zähne, das Gesicht, das Haar und die Wangen der Frau durch Kunst und Schminke verändert wurden, was für jeden offensichtlich ist. Die falsche Pracht des Halses und die polierte Stirn werden verspottet, da sie die natürlichen Falten verbergen. In der zweiten Strophe vertieft Gryphius seine Kritik, indem er fragt, was in der Frau sein mag, wenn ihr Äußeres bereits so voller List und Täuschung ist. Er ist überzeugt, dass unter einem so falsch geschmückten Kopf auch ein falsches Herz steckt, voller schändlicher Heuchelei. Der geschminkte Sinn und die glänzende Rhetorik, die sie verwendet, führen diejenigen, die ihr vertrauen, in schreckliche Verführung. Gryphius' Gedicht ist eine scharfe Verurteilung der künstlichen Schönheit und der moralischen Verdorbenheit, die er mit ihr in Verbindung bringt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Sambt eim geschminckten Sin vnd Gleißnereydarbey
- Bildsprache
- Deß Halses falsche Pracht/ Vnd die polirte Stirn
- Hyperbel
- durch welche (wer Euch trawt) wird jammerlichverführet
- Ironie
- Was ist an Euch/ das Ihr Ewr eigen möget nennen?
- Metapher
- Die Zähne sind durch Kunst in leeren Mund gebracht
- Personifikation
- Euch hat der Schmincke dunst das Antlitz schöngemacht
- Vergleich
- daß Ewr Wangen von gezwungner Röte brennen