An eine edle Liebende
1813Du meinst in deiner Seele Dämmerweben, Dir sei das Tiefste so gelöst in Liebe, Daß dir nichts Eignes zu bewahren bliebe, Drum willst du ganz und gar dich ihm ergeben.
O, tu′ es nicht! Es gibt ein Widerstreben, So rein von jedem selbstisch-rohen Triebe, Daß sich das Höchste still zu nichts zerriebe, Erschlösse dies ihm nicht ein ew′ges Leben.
Und könntest du, im Edelsten erglommen, Auch deines Wesens Form vor ihm vernichten Die Elemente bleiben, die sie waren!
So wird dein Opfer niemals ganz vollkommen, Du kannst nicht völlig auf dich selbst verzichten, Drum sorge du, dich ganz zu offenbaren!
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "An eine edle Liebende" von Friedrich Hebbel ist eine tiefgründige Auseinandersetzung mit den Themen Liebe, Hingabe und Selbstlosigkeit. Es richtet sich an eine edle Liebende, die bereit ist, sich vollständig ihrem Geliebten hinzugeben, und warnt sie davor, sich ganz und gar aufzugeben. Das Gedicht beginnt mit einer Warnung vor einer allzu selbstlosen Liebe. Der Sprecher appelliert an die Liebende, nicht alles von sich preiszugeben, da es ein "Widerstreben" gibt, das rein und frei von egoistischen Motiven ist. Dieses Widerstreben ermöglicht es dem Höchsten, sich nicht in Nichts aufzulösen, sondern ewiges Leben zu erlangen. Es deutet darauf hin, dass auch in der Liebe ein gewisses Maß an Individualität und Selbstbewusstsein notwendig ist, um das eigene Wesen zu bewahren. In den folgenden Strophen wird die Idee weiter ausgeführt, dass selbst in der größten Hingabe die grundlegenden Elemente des eigenen Wesens bestehen bleiben. Der Sprecher betont, dass das Opfer der Liebenden niemals vollkommen sein kann, da es unmöglich ist, sich völlig selbst aufzugeben. Das Gedicht endet mit der Aufforderung an die Liebende, sich ganz zu offenbaren, aber nicht sich selbst zu verlieren. Es suggeriert, dass wahre Liebe die Balance zwischen Hingabe und Selbstbewahrung findet.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Appell
- Drum sorge du, dich ganz zu offenbaren
- Bildsprache
- Im Edelsten erglommen
- Hyperbel
- daß dir nichts Eignes zu bewahren bliebe
- Kontrast
- So rein von jedem selbstisch-rohen Triebe
- Metapher
- Du meinst in deiner Seele Dämmerweben
- Personifikation
- Daß sich das Höchste still zu nichts zerriebe
- Symbolik
- Elemente bleiben, die sie waren