An eine Alpenrose

Adolf Friedrich Graf von Schack

1815

Heil dir, du Bewohnerin sonniger Höhn, Umrauscht von Quellen und Glockengetön, Von himmlischem Blau verklärt! Du Kind der Felsenspitzen, Wo hoch mit Wirbelwind und Blitzen Der Adler seine Jungen nährt!

Du Liebling von allen! Mit sorgender Huld Von den Lüften geweckt und in Schlummer gelullt! Von der Sonne, die dich gezeugt, Mit ihrer reinsten Flamme Und von dem Frührot, deiner Amme, Mit silberklarem Tau gesäugt!

Dir summt, wenn die Nacht in die Thäler entflieht, Die Biene das erste Morgenlied; Es schüttelt der Wind den fröhlichen Traum Aus Blättern dir und Stielen Und bringt dir muntere Gespielen, Die Wölkchen mit dem ros′gen Saum.

Dich grüßet die Sonne mit letztem Strahl, Und wenn schon unten auf Hügel und Thal Die Dämmerung wallt wie ein Meer, Erblühen rings im Kreise Die Gletscher mit dem ew′gen Eise Wie Schwesterrosen um dich her.

Und hüllt, wenn der letzte der Strahlen verglimmt, Die Nacht, wie sie höher und höher klimmt, Auch dich in den schattigen Flor, Dann hauchst du von den Firnen Dein volles Herz zu den Gestirnen In die Unendlichkeit empor.

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Illustration zu An eine Alpenrose

Interpretation

Das Gedicht "An eine Alpenrose" von Adolf Friedrich Graf von Schack ist eine Ode an eine Alpenrose, die in den hohen Bergen lebt. Der Dichter preist die Schönheit und Einzigartigkeit dieser Blume, die in einer rauen und unwirtlichen Umgebung gedeiht. Er vergleicht sie mit einem Kind der Felsenspitzen, das vom Himmel verklärt ist und von Adlerkindern umgeben ist. Die Alpenrose wird als Liebling aller Wesen dargestellt, die von den Lüften geweckt und von der Sonne mit ihrer reinsten Flamme gezeugt wird. Der Dichter beschreibt auch die Umgebung der Alpenrose, die von Bienen, Wind und Wolken besungen wird. Er erwähnt auch die Gletscher, die wie Schwesterrosen um die Alpenrose herum erblühen. Das Gedicht endet mit der Vorstellung, dass die Alpenrose ihr volles Herz zu den Sternen in die Unendlichkeit haucht, wenn die Nacht sie einhüllt. Das Gedicht ist in fünf Strophen gegliedert, die jeweils acht Verse haben. Der Rhythmus ist regelmäßig und der Reim folgt dem Schema abab cdcd efef ghgh ijij. Der Ton des Gedichts ist bewundernd und anbetend, aber auch melancholisch und wehmütig. Der Dichter scheint eine tiefe Verbundenheit mit der Natur und den Bergen zu spüren und drückt seine Sehnsucht nach einem einfachen und reinen Leben aus. Er verleiht der Alpenrose menschliche Züge und Gefühle, um ihre Schönheit und Würde zu betonen. Das Gedicht ist auch ein Loblied auf die Alpenrose als Symbol für die Unberührtheit und Unvergänglichkeit der Natur.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Metapher
Dann hauchst du von den Firnen Dein volles Herz zu den Gestirnen In die Unendlichkeit empor
Personifikation
Du Liebling von allen! Mit sorgender Huld Von den Lüften geweckt und in Schlummer gelullt!