An eine Aeolsharfe
1804Tu semper urges flebilibus modisMysten ademptum: nec tibi VesperoSurgente decedunt amores,Nec rapidum fugiente Solem.(Horaz)Angelehnt an die EfeuwandDieser alten Terrasse,Du, einer luftgebornen MuseGeheimnisvolles Saitenspiel,Fang an,Fange wieder anDeine melodische Klage!Ihr kommet, Winde, fern herueber,Ach! von des Knaben,Der mir so lieb war,Frisch gruenendem Huegel.Und Fruehlingsblueten unterweges streifend,Uebersaettigt mit Wohlgeruechen,Wie suess bedraengt ihr dies Herz!Und saeuselt her in die Saiten,Angezogen von wohllautender Wehmut,Wachsend im Zug meiner Sehnsucht,Und hinsterbend wieder.Aber auf einmal,Wie der Wind heftiger herstoesst,Ein holder Schrei der HarfeWiederholt, mir zu suessem Erschrecken,Meiner Seele ploetzliche Regung;Und hier - die volle Rose streut, geschuettelt,All ihre Blaetter vor meine Fuesse!
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Interpretation
Das Gedicht "An eine Aeolsharfe" von Eduard Mörike handelt von der Beziehung zwischen der Natur und der menschlichen Seele, verkörpert durch die Äolsharfe. Die Harfe, die vom Wind angespielt wird, symbolisiert die Empfindsamkeit und die tiefen emotionalen Regungen des lyrischen Ichs. Der Wind, der von dem Grab des geliebten Knaben herüberweht, bringt nicht nur den Duft der Frühlingsblüten, sondern auch die Erinnerung an die verlorene Liebe. Die Harfe wird zum Medium, durch das die Natur die inneren Gefühle des Dichters zum Ausdruck bringt. Die Äolsharfe steht als Metapher für die Verbindung zwischen äußeren Reizen und inneren Empfindungen. Der Wind, der die Saiten zum Klingen bringt, repräsentiert die unberechenbaren und oft schmerzhaften Einflüsse des Lebens. Die Melodien der Harfe sind Ausdruck der Wehmut und Sehnsucht des lyrischen Ichs, die sich in den sanften und plötzlichen Tönen widerspiegeln. Die Rose, die ihre Blätter vor die Füße des Dichters streut, symbolisiert die Vergänglichkeit der Schönheit und die unausweichliche Vergangenheit, die das Herz berührt. Das Gedicht endet mit einer plötzlichen, intensiven emotionalen Reaktion der Harfe, die die "plötzliche Regung" der Seele des Dichters widerspiegelt. Dieser Moment des "süßen Erschreckens" verdeutlicht die tiefe Verbindung zwischen der äußeren Natur und den inneren Gefühlen. Die Äolsharfe wird zum Symbol für die Empfindsamkeit des Dichters, der durch die Natur berührt und zu tiefen emotionalen Erkenntnissen geführt wird.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Winde, fern herueber
- Anapher
- Fange wieder an
- Anspielung
- Tu semper urges flebilibus modis Mysten ademptum: nec tibi Vespero Surgente decedunt amores, Nec rapidum fugiente Solem. (Horaz)
- Hyperbel
- All ihre Blaetter vor meine Fuesse
- Kontrast
- Wachsend im Zug meiner Sehnsucht, Und hinsterbend wieder
- Metapher
- Wie der Wind heftiger herstoesst
- Personifikation
- Du, einer luftgebornen Muse Geheimnisvolles Saitenspiel
- Symbolik
- Frisch gruenendem Huegel