An ein schönes Kind
1842Du blickst, um deiner Mutter Hals dich schmiegend, Mich hold und lächelnd an, ein sel′ger Stummer; Die Wonne schließt den Mund, ihn löst der Kummer, Du brauchst die Sprache nicht, in Lust dich wiegend.
Doch jetzt, der Kraft des Lenzes still erliegend, Durch Bienen eingesurrt und andre Summer, Von Duft betäubt, fällst du in tiefen Schlummer, Ein Rosenblatt, in einen Brunnen fliegend.
O! würdest du der Maler und der Dichter Gewaltigster, du wirst durch all dein Ringen Das Höchste nie, wie jetzt im Spiel, verraten,
Nie so das Schöne durch der Farbe Lichter, Nie so das Reine durch dein frömmstes Singen, Nie so das Menschlich-Göttliche durch Taten!
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Interpretation
Das Gedicht "An ein schönes Kind" von Friedrich Hebbel handelt von der Schönheit und Unschuld eines Kindes, das den Dichter mit seinem Blick und Lächeln verzaubert. Das Kind, das noch nicht sprechen kann, drückt seine Freude und Liebe durch seine Gesten und Mimik aus, ohne die Sprache zu benötigen. Der Dichter vergleicht das Kind mit einer Rose, die im Frühling von den Bienen bestäubt wird und in einen Brunnen fällt, um in tiefem Schlaf zu versinken. Das Kind ist wie eine Blume, die in ihrer vollen Pracht erblüht und dann vergeht. Der Dichter bewundert die Schönheit des Kindes und wünscht sich, dass es ein Maler oder Dichter wäre, der seine Gefühle und Eindrücke künstlerisch umsetzen könnte. Doch er ahnt, dass das Kind niemals so viel Schönheit und Reinheit in seinen Werken erreichen wird wie in seinem natürlichen Spiel. Das Kind ist wie ein Genie, das ohne Anstrengung und Übung das Höchste der Kunst hervorbringt. Der Dichter vergleicht das Kind mit einem Engel, der das Menschlich-Göttliche in sich trägt und durch seine Taten zum Ausdruck bringt. Das Gedicht ist ein Loblied auf die Kindheit und ihre unvergleichliche Anmut. Der Dichter preist das Kind als ein Vorbild für die Kunst und die Menschheit. Er zeigt sich beeindruckt von der Natürlichkeit und der Unschuld des Kindes, die er als etwas Göttliches empfindet. Er drückt seine Bewunderung und seine Sehnsucht nach der verlorenen Kindheit aus. Er gibt zu, dass er selbst als Künstler niemals so viel Schönheit und Reinheit in seinen Werken erreichen wird wie das Kind in seinem Spiel.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Bienen eingesurrt und andre Summer
- Bildsprache
- Von Duft betäubt, fällst du in tiefen Schlummer
- Hyperbel
- Du wirst durch all dein Ringen das Höchste nie verraten
- Metapher
- Du bist ein 'sel′ger Stummer' und 'ein Rosenblatt, in einen Brunnen fliegend'
- Personifikation
- Die Wonne schließt den Mund
- Symbolik
- Der Lenz symbolisiert die Jugend und das Leben
- Vergleich
- Du bist wie ein 'Rosenblatt, in einen Brunnen fliegend'