An ein Kind
unbekanntUngetrübt und klar und helle Rinnet noch des Lebens reine Quelle, Zwischen Blumenufern Dir dahin. Morgenroth glänzt auf den stillen Fluthen, Und im Wiederschein der Purpurgluthen Spiegelt sich Dein unbefangner Sinn.
Aber bald umwölkt ein trüber Schleier Dir des Daseyns jugendliche Feier, Und Aurora′s milder Glanz verbleicht. Wolken ziehn sich über Dir zusammen, Denn der Leidenschaften wilde Flammen Haben bald die zarte Brust erreicht.
Und verlohren ist der goldne Frieden, Der der Kindheit nur allein beschieden, Wenn Dir Liebe droht mit giftigem Pfeil. Hat er einmahl Dir das Herz durchdrungen, Machen selbst des Erdballs Huldigungen Nicht des Busens tiefe Wunde beil.
Blühe Deinem Schicksal denn entgegen, Und wenn Stürme schauernd Dich bewegen, Wanke dennoch nimmermehr Dein Sinn. Kraft und Muth siegt über bittre Leiden, Und wenn alle Rosen von Dir scheiden, Welke nie der Hoffnung Grün Dir hin.
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Interpretation
Das Gedicht "An ein Kind" von Charlotte von Ahlefeld thematisiert den Übergang vom unschuldigen, glücklichen Zustand der Kindheit hin zur Komplexität und den Herausforderungen des Erwachsenwerdens. Die Kindheit wird als eine Zeit reiner, ungetrübter Freude und Klarheit beschrieben, symbolisiert durch eine klare, zwischen Blumenufern fließende Quelle. Diese idyllische Phase ist jedoch vergänglich, da bald die "trüben Schleier" des Lebens und die "wilden Flammen der Leidenschaften" die Unschuld trüben und die Jugendlichen mit den ersten schmerzhaften Erfahrungen konfrontieren, insbesondere mit der zerstörerischen Kraft der Liebe. Das Gedicht warnt vor dem Verlust des "goldenen Friedens", der der Kindheit vorbehalten ist, und beschreibt, wie selbst die größten weltlichen Ehren und Anerkennungen nicht in der Lage sind, die tiefe Wunde zu heilen, die die Liebe in das Herz schlagen kann. Die Autorin appelliert an das Kind, mutig seinem Schicksal entgegenzutreten und auch in stürmischen Zeiten standhaft zu bleiben. Sie ermutigt dazu, Kraft und Mut zu bewahren, um bittere Leiden zu überwinden, und nie die Hoffnung aufzugeben, selbst wenn alle anderen Freuden des Lebens verblassen. Abschließend lässt sich sagen, dass das Gedicht eine Mischung aus nostalgischer Erinnerung an die Unschuld der Kindheit und einer ernüchternden Vorbereitung auf die unvermeidlichen Schwierigkeiten des Lebens darstellt. Es ist eine Ermutigung, trotz aller Widrigkeiten die Hoffnung nicht zu verlieren und mit Mut und Stärke den Herausforderungen des Lebens zu begegnen. Die Autorin vermittelt die Botschaft, dass die Hoffnung als letzte Zuflucht und Quelle der Stärke erhalten bleiben sollte, selbst wenn alle anderen "Rosen" des Lebens bereits verwelkt sind.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- Welke nie der Hoffnung Grün Dir hin
- Personifikation
- Und wenn Stürme schauernd Dich bewegen
- Vergleich
- Und im Wiederschein der Purpurgluthen / Spiegelt sich Dein unbefangner Sinn