An ein Kind

John Henry Mackay

1842

Dir lacht der Jugend Morgen; Nimm ganz und voll ihn hin, Genieß ihn ohne Sorgen In kindlich-heitrem Sinn. Und will er dir entschweben, - So schnell die Zeit verrinnt! - Sei durch dein ganzes Leben, Was du jetzt bist: ein Kind!

Du wirst ihn einst verstehen, Den Wunsch, wie er gemeint, Nicht zaghaft sollst du gehen, Wenn dich in harte Lehre Das Schicksal einstens nimmt, Und unter ihrer Schwere Dein Herz sich blutend krümmt.

Nicht das! - Sei stark, doch nimmer, Auch in dem größten Leid, Laß rauben dir den Schimmer Der gold’nen Jugendzeit! Wenn in der Welt, der kühlen, Wo Hohes leicht zerrinnt, Dir schwinden will dein Fühlen Für Edles: sei ein Kind!

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Illustration zu An ein Kind

Interpretation

Das Gedicht "An ein Kind" von John Henry Mackay richtet sich an ein Kind und ermahnt es, die Jugend in vollen Zügen zu genießen und die kindliche Unschuld und Freude zu bewahren. Der Sprecher fordert das Kind auf, den Morgen der Jugend ohne Sorgen und in heiterem Sinn zu erleben und zu genießen, solange er dauert. Der zweite Teil des Gedichts geht auf die Herausforderungen und Leiden des Lebens ein, die das Kind einmal erfahren wird. Der Sprecher wünscht sich, dass das Kind auch in schweren Zeiten stark bleibt, aber nie die goldene Jugendzeit und das damit verbundene Gefühl für Edles und Hohes verliert. Es soll sich nicht von der kühlen Welt und ihren vergänglichen Werten den kindlichen Glanz rauben lassen. Im Kern vermittelt das Gedicht die Botschaft, die kindliche Reinheit, Offenheit und Begeisterungsfähigkeit auch im Erwachsenenalter zu bewahren. Es ermutigt dazu, trotz aller Widrigkeiten des Lebens an den idealistischen Werten und Gefühlen der Jugend festzuhalten und sich nicht von der oft zynischen und materialistischen Erwachsenenwelt vereinnahmen zu lassen.

Schlüsselwörter

will kind lacht jugend morgen nimm ganz voll

Wortwolke

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Stilmittel

Hyperbel
So schnell die Zeit verrinnt
Imperativ
Nimm ganz und voll ihn hin
Metapher
Dir schwinden will dein Fühlen / Für Edles: sei ein Kind
Parallelismus
Genieß ihn ohne Sorgen / In kindlich-heitrem Sinn