An ein goldnes Herz, das er am Halse trug

Johann Wolfgang von Goethe

1749

Angedenken du verklungner Freude, Das ich immer noch am Halse trage, Hältst du länger als das Seelenband uns beide? Verlängerst du der Liebe kurze Tage?

Flieh′ ich, Lili, vor dir! Muß noch an deinem Bande Durch fremde Lande, Durch ferne Täler und Wälder wallen! Ach, Lili′s Herz konnte so bald nicht Von meinem Herzen fallen.

Wie ein Vogel, der den Faden bricht Und zum Walde kehrt, Er schleppt des Gefängnisses Schmach Noch ein Stückchen des Fadens nach; Er ist der alte freigeborne Vogel nicht, Er hat schon jemand angehört.

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Illustration zu An ein goldnes Herz, das er am Halse trug

Interpretation

Das Gedicht "An ein goldnes Herz, das er am Halse trug" von Johann Wolfgang von Goethe thematisiert die Sehnsucht und das nachhallende Gefühl einer vergangenen Liebe. Der Sprecher trägt ein goldenes Herz als Erinnerung an die Freude, die er mit seiner Geliebten Lili geteilt hat. Er fragt sich, ob diese Erinnerung stärker ist als die Verbindung ihrer Seelen und ob sie die kurze Zeit der Liebe verlängern kann. Die Metapher des goldenen Herzens symbolisiert die wertvolle und kostbare Natur dieser Erinnerung. In der zweiten Strophe beschreibt der Sprecher, wie er vor Lili flieht und durch fremde Länder und Wälder zieht, immer noch an ihrem Bande hängend. Trotz der Flucht ist sein Herz noch immer mit Lili verbunden, und er fragt sich, ob ihr Herz so schnell von seinem Herzen fallen kann. Die Wiederholung von Lili's Namen unterstreicht die Intensität der Gefühle und die Schwierigkeit, sich von der vergangenen Liebe zu lösen. Die letzte Strophe verwendet das Bild eines Vogels, der den Faden bricht, aber noch ein Stückchen davon nachzieht. Dieser Vogel, der zum Wald zurückkehrt, ist nicht mehr derselbe freigeborene Vogel wie zuvor, da er schon jemandem angehört hat. Diese Metapher verdeutlicht, wie die vergangene Liebe den Sprecher verändert hat und wie schwer es ist, sich von den Fesseln der Erinnerung zu befreien. Das Gedicht vermittelt letztendlich die Idee, dass vergangene Liebe und Erinnerungen eine bleibende Wirkung auf das Herz und die Seele haben können.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Anapher
Angedenken du verklungner Freude, Das ich immer noch am Halse trage, Hältst du länger als das Seelenband uns beide?
Hyperbel
Durch fremde Lande, Durch ferne Täler und Wälder wallen
Metapher
wie ein Vogel, der den Faden bricht
Personifikation
Angedenken du verklungner Freude
Rhetorische Frage
Hältst du länger als das Seelenband uns beide? Verlängerst du der Liebe kurze Tage?
Symbolik
goldnes Herz
Vergleich
Wie ein Vogel, der den Faden bricht