An ein Bild

Max von Schenkendorf

1783

Den 29. März 1816.

Was schaust du mich so freundlich an, O Bild aus weiter Ferne, Und winkest dem verbannten Mann? Er käme gar zu gerne.

Die ganze Jugend thut sich auf, Wenn ich an dich gedenke, Alls ob ich noch den alten Lauf Nach deinem Hause lenke.

Gleich einem, der ins tiefe Meer Die Blicke läßt versinken, Nicht sieht, nicht hört, ob um ihn her Viel tausend Schätze winken;

Gleich einem, der am Firmament Nach fernem Sterne blicket, Nur diesen kennt, nur diesen nennt, Und sich an ihm entzücket:

Ist all mein Sehnen, all mein Muth In dir, o Bild, gegründet, Und immer noch von gleicher Gluth, Von gleicher Lust entzündet.

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Illustration zu An ein Bild

Interpretation

Das Gedicht "An ein Bild" von Max von Schenkendorf aus dem Jahr 1816 ist eine lyrische Reflexion über Sehnsucht und Erinnerung. Der Sprecher wendet sich an ein Bild, das ihn an ferne, vergangene Zeiten erinnert. Das Bild scheint ihn freundlich anzuschauen und zu winken, was den Sprecher veranlasst, sich nach seiner Rückkehr zu sehnen. Die Jugend des Sprechers wird durch das Bild wieder lebendig, als ob er noch immer den Weg zu dem Haus des Bildes gehen könnte. Das Bild fungiert somit als Brücke zur Vergangenheit und weckt tiefe emotionale Erinnerungen. In den folgenden Strophen vergleicht der Sprecher seine Sehnsucht mit zwei Metaphern: Er vergleicht sie mit einem, der in die Tiefe des Meeres blickt und dabei die umgebenden Schätze nicht wahrnimmt, und mit einem, der nach einem fernen Stern am Himmel sucht und nur diesen einen kennt und anbetet. Diese Vergleiche verdeutlichen die Intensität und die ausschließliche Fokussierung des Sprechers auf das Bild. Die Sehnsucht ist so stark, dass sie alle anderen Aspekte des Lebens in den Hintergrund drängt. Im abschließenden Teil des Gedichts betont der Sprecher, dass sein ganzes Sehnen und Mut in dem Bild begründet sind. Die Leidenschaft und die Freude, die das Bild in ihm entfacht, sind unverändert geblieben. Das Gedicht endet mit der Feststellung, dass die Glut und die Lust, die das Bild in ihm entfacht, immer noch dieselben sind. Es ist ein eindringliches Plädoyer für die Macht der Erinnerung und die anhaltende Wirkung von geschätzten Bildern oder Momenten aus der Vergangenheit.

Schlüsselwörter

bild gleich diesen all gleicher märz schaust freundlich

Wortwolke

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Stilmittel

Anapher
Gleich einem, der ins tiefe Meer / Die Blicke läßt versinken, / Nicht sieht, nicht hört, ob um ihn her / Viel tausend Schätze winken;
Hyperbel
Viel tausend Schätze winken
Metapher
Die ganze Jugend thut sich auf, / Wenn ich an dich gedenke, / Alls ob ich noch den alten Lauf / Nach deinem Hause lenke.
Personifikation
Und winkest dem verbannten Mann?
Vergleich
Gleich einem, der am Firmament / Nach fernem Sterne blicket, / Nur diesen kennt, nur diesen nennt, / Und sich an ihm entzücket: