An Edom!

Heinrich Heine

1797

Ein Jahrtausend schon und länger, Dulden wir uns brüderlich, Du, du duldest, daß ich atme, Daß du rasest, dulde Ich.

Manchmal nur, in dunkeln Zeiten, Ward dir wunderlich zu Mut, Und die liebefrommen Tätzchen Färbtest du mit meinem Blut!

Jetzt wird unsre Freundschaft fester, Und noch täglich nimmt sie zu; Denn ich selbst begann zu rasen, Und ich werde fast wie Du.

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Illustration zu An Edom!

Interpretation

Das Gedicht "An Edom!" von Heinrich Heine beschreibt eine jahrtausendealte Beziehung zwischen zwei Parteien, die in einer Art brüderlicher Duldung leben. Der Sprecher und sein Gegenüber, Edom, ertragen sich gegenseitig, wobei Edom es erträgt, dass der Sprecher atmet, und der Sprecher wiederum erträgt Edoms Zorn. Diese Dynamik deutet auf eine tief verwurzelte, wenn auch angespannte Verbindung hin, die durch die Zeit Bestand hat. In dunkleren Zeiten wurde die Beziehung jedoch durch Gewalt getrübt. Der Sprecher erwähnt, dass Edom in solchen Zeiten zu seltsamen Taten neigte, insbesondere dazu, die liebevollen Tätowierungen des Sprechers mit dessen eigenem Blut zu färben. Diese Bilder deuten auf eine Geschichte von Unterdrückung und Missbrauch hin, die die Beziehung prägt, aber nicht vollständig zerstört. Die letzte Strophe bringt jedoch eine Wendung. Die Freundschaft zwischen den beiden Parteien wird als stärker und täglich wachsend beschrieben. Der Sprecher selbst hat begonnen, Zorn zu entwickeln, was ihn Edom ähnlicher macht. Diese Entwicklung könnte als eine Art Annäherung oder Versöhnung interpretiert werden, bei der der Sprecher durch das Annehmen von Edoms Zorn eine tiefere Verbindung herstellt. Das Gedicht endet auf einer ambivalenten Note, die sowohl die Möglichkeit einer wachsenden Freundschaft als auch die Gefahr einer zunehmenden Gleichheit in Zorn und Gewalt birgt.

Schlüsselwörter

jahrtausend länger dulden brüderlich duldest atme rasest dulde

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Stilmittel

Anapher
Du, du duldest, daß ich atme, Daß du rasest, dulde Ich.
Hyperbel
Ein Jahrtausend schon und länger
Kontrast
Daß du rasest, dulde Ich
Metapher
Und die liebefrommen Tätzchen Färbtest du mit meinem Blut!
Personifikation
Ein Jahrtausend schon und länger, Dulden wir uns brüderlich
Symbolik
Färbtest du mit meinem Blut!