An Donzeli als Othello

Joseph Christian von Zedlitz

1790

Begeistert lauscht das Volk dem Wunderklange, Wie einst, als Orpheus über′s Meer gezogen Im Kiel der Argo, rings entzückt, die Wogen Gestaunt, die grünen Ufer, dem Gesange!

Mühsam verschließt der trunkne Busen lange Der Wonne Fülle, die er eingesogen, Und daß ein Ton ihm ungehört verflogen Im Sturm des lauten Jubels, ist ihm bange;

Doch nun das Lied verklang, nun ist entbunden Die Lust! und seht – welch Wunder ist geschehen? Statt Jauchzen hat die Thräne sich gefunden! –

Du, Meister, triffst das Herz mit goldnen Pfeilen, Doch weil Du es durchgingst mit Wehen, Wünscht′ von so sel′gem Schmerz es nie zu heilen! –

Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Illustration zu An Donzeli als Othello

Interpretation

Das Gedicht "An Donzeli als Othello" von Joseph Christian von Zedlitz ist eine Ode an die schauspielerische Leistung von Donzeli in der Rolle des Othello. Der Dichter vergleicht Donzeli mit Orpheus, dessen Gesang die Natur verzauberte, und hebt die Begeisterung des Publikums für Donzeli's Darstellung hervor. Das Gedicht beschreibt die emotionale Wirkung von Donzeli's Performance auf das Publikum, das von der Fülle der empfundenen Emotionen überwältigt ist. Der zweite Teil des Gedichts konzentriert sich auf die Reaktion des Publikums nach dem Ende des Stücks. Anstatt Beifall auszubrechen, sind die Zuschauer von Tränen ergriffen. Dies zeigt die tiefe emotionale Resonanz, die Donzeli's Darstellung hervorgerufen hat. Der Dichter betont, dass Donzeli in der Lage ist, das Herz des Publikums mit "goldnen Pfeilen" zu treffen, was auf die Schönheit und Kraft seiner schauspielerischen Leistung hindeutet. Im letzten Teil des Gedichts wünscht sich der Dichter, dass das Publikum den "sel'gen Schmerz", den sie durch Donzeli's Darstellung erfahren haben, nie heilen möge. Dies unterstreicht die tiefe Wirkung, die die Performance auf das Publikum hatte, und die Sehnsucht, diese emotionale Intensität zu bewahren. Das Gedicht ist somit eine Hommage an die transformative Kraft des Theaters und die Fähigkeit eines Schauspielers, tiefe emotionale Reaktionen beim Publikum hervorzurufen.

Schlüsselwörter

begeistert lauscht volk wunderklange einst orpheus meer gezogen

Wortwolke

Wortwolke zu An Donzeli als Othello

Stilmittel

Hyperbel
Wünscht' von so sel'gem Schmerz es nie zu heilen!
Metapher
Doch weil Du es durchgingst mit Wehen
Personifikation
Mühsam verschließt der trunkne Busen lange / Der Wonne Fülle, die er eingesogen