An diß Buch.
1623So wiltu dennoch jetzt auß meinen Händen scheiden Du kleines Buch vnnd auch mit andern seyn veracht? Gewiß du weissest nicht wie hönisch man jetzt lacht / Wie schwerlich sey der Welt Spitzfindigkeit zu meiden. Es muß ein jeglich Ding der Menschen Vrtheil leiden / Vnd / ob es tauglich sey / steht nicht in seiner Macht; Der meiste Theil ist doch auff schmähen nur bedacht / Vnd denckt was er nicht kan / dasselbe muß′ er neiden. Noch dennoch (daß du nicht so offt′ vnd viel von mir Auffs newe dulden dürffst daß ich dich nehme für) Muß ich dir loß zu seyn vnd außzugehn erleuben. So ziehe nun nur hin / weils ja dir so gefellt / Vnd nimb dein Vrtheil an / zieh′ hin / zieh′ in die Welt; Du hettest aber wol zu Hause können bleiben.
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Interpretation
Das Gedicht "An diß Buch" von Martin Opitz beschreibt die emotionale Verabschiedung des Autors von seinem eigenen Werk. Opitz verleiht dem Buch menschliche Züge und spricht es direkt an, als ob es seinen eigenen Willen hätte, sich von ihm zu trennen. Er drückt seine Sorge aus, dass das Buch in der Welt möglicherweise nicht wohlwollend aufgenommen wird. Die Gesellschaft, so Opitz, ist voller Spott und Kritik, und es ist schwer, der menschlichen Neigung zur Spitzfindigkeit und zum Neid zu entgehen. Er warnt das Buch vor der Härte des öffentlichen Urteils und der Tatsache, dass viele Menschen dazu neigen, das zu kritisieren, was sie nicht verstehen. Opitz reflektiert über die Unvermeidlichkeit, dass jedes Werk dem Urteil anderer unterliegt, und dass es nicht in der Macht des Schöpfers liegt, zu kontrollieren, wie sein Werk aufgenommen wird. Trotz seiner Bedenken erkennt er an, dass das Buch seinen eigenen Weg gehen muss. Er gibt seine Erlaubnis, dass das Buch in die Welt hinausziehen soll, auch wenn er es lieber zu Hause behalten würde, um es vor den möglichen Widrigkeiten zu schützen. Das Gedicht endet mit einer resignierten Akzeptanz der Notwendigkeit, das Buch freizugeben, auch wenn es dem Autor lieber wäre, es wäre geblieben.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- wie hönisch man jetzt lacht
- Hyperbel
- Der meiste Theil ist doch auff schmähen nur bedacht
- Imperativ
- So ziehe nun nur hin / weils ja dir so gefellt
- Metapher
- Du hettest aber wol zu Hause können bleiben
- Personifikation
- Noch dennoch (daß du nicht so offt′ vnd viel von mir Auffs newe dulden dürffst daß ich dich nehme für)