An die Todten

Christian Friedrich Daniel Schubart

1777

Schlummert süß, ihr Jüngstgestorbnen, alle, Schummert süß, in eurer Todtenhalle! Keine Erdenstürme mehr Rasen um euch her.

Euch erwecken keine Schlachtenrufe, Nicht die Donnertritte ehrner Hufe;, Nicht des wilden Kriegers Wuth, Brüllend noch im Blut.

Eure Leiber modern in der Stille, Einst durchströmt sie neue Lebensfülle, Und in neuer Welten Glanz Lebt ihr wieder ganz -

Ganz mit eurem Geiste neuverbunden. Ueberwunden habt ihr - überwunden! Ausgekämpft ist dann der Streit Schwerer Eitelkeit.

Liebe Todten, alle meine Brüder, Schlummert süß, wir alle leben wieder! Nicht durch Monde wandelbar Geht dann auf das Jahr.

Gern, ihr Todten, will ich bei euch liegen, Eilt ihr Jahre nur in euren Flügen! Früher rolle dich, o Zeit, Auf zur Ewigkeit.

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Illustration zu An die Todten

Interpretation

Das Gedicht "An die Todten" von Christian Friedrich Daniel Schubart ist eine tröstende Ode an die Verstorbenen. Es beginnt mit einem Aufruf an die "Jüngstgestorbnen", süß zu schlummern und sich in ihrer "Todtenhalle" auszuruhen, geschützt vor den Stürmen des Lebens. Der Dichter betont, dass die Toten von den Unruhen und Konflikten der Welt befreit sind, sei es durch Schlachten oder den Zorn der Krieger. Im zweiten Teil des Gedichts versichert Schubart den Verstorbenen, dass sie in der Stille ruhen und auf ein neues Leben hoffen können. Er spricht von einer "neue[n] Lebensfülle", die ihre Körper durchströmen wird, und von einem Wiederauferstehen in neuem Glanz. Die Toten werden als "ganz mit eurem Geiste neuverbunden" beschrieben, was auf eine spirituelle Erneuerung hindeutet. Der letzte Teil des Gedichts richtet sich direkt an die "Liebe Todten" und bezeichnet sie als "alle meine Brüder". Der Dichter drückt den Wunsch aus, bald bei ihnen zu liegen und die Zeit zu beschleunigen, damit die Ewigkeit beginnen kann. Er verspricht, dass alle wieder leben werden, und dass die Zeit nicht mehr durch die Veränderlichkeit der Monde bestimmt sein wird. Das Gedicht endet mit einem Aufruf an die Zeit, sich zur Ewigkeit zu bewegen.

Schlüsselwörter

süß alle schlummert keine ganz todten jüngstgestorbnen schummert

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Stilmittel

Anapher
Schlummert süß, ihr Jüngstgestorbnen, alle, Schlummert süß, in eurer Todtenhalle!
Hyperbel
Eilt ihr Jahre nur in euren Flügen!
Metapher
Eure Leiber modern in der Stille
Parallelismus
Keine Erdenstürme mehr Rasen um euch her. Euch erwecken keine Schlachtenrufe, Nicht die Donnertritte ehrner Hufe;
Personifikation
Nicht durch Monde wandelbar Geht dann auf das Jahr