An die Sternen
1640XXXVI.
Ihr Lichter / die ich nicht auff Erden satt kann schauen / Ihr Fackeln / die ihr Nacht und schwartze Wolcken trennt Als Diamante spilt / und ohn Auffhören brennt; Ihr Blumen / die ihr schmückt des grossen Himmels Auen:
Ihr Wächter / die als Gott die Welt auff-wolte-bauen; Sein Wort die Weißheit selbst mit rechten Namen nennt Die Gott allein recht misst / die Gott allein recht kennt. (Wir blinden Sterblichen! was wollen wir uns trauen!)
Ihr Bürgen meiner Lust / wie manche schöne Nacht Hab ich / in dem ich euch betrachtete / gewacht? Herolden diser Zeit / wenn wird es doch geschehen
Daß ich / der euer nicht allhir vergessen kan / Euch / derer Libe mir steckt Hertz und Geister an Von andern Sorgen frey werd unter mir besehen?
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "An die Sternen" von Andreas Gryphius ist ein Loblied auf die Sterne, die der Dichter als himmlische Lichter verehrt. Gryphius beschreibt die Sterne als Diamanten, die ohne Unterlass brennen und die Nacht und die dunklen Wolken durchdringen. Er vergleicht sie mit Blumen, die den weiten Himmel schmücken, und mit Wächtern, die Gottes Wort und Weisheit repräsentieren. Der Dichter betont, dass nur Gott die Sterne wirklich kennt und misst, während die sterblichen Menschen nur begrenztes Wissen besitzen. In der zweiten Strophe reflektiert Gryphius über die vielen schönen Nächte, die er damit verbracht hat, die Sterne zu betrachten. Er bezeichnet die Sterne als Boten der Zeit und fragt sich, wann er in der Lage sein wird, sie frei von anderen Sorgen zu betrachten. Der Dichter drückt seine tiefe Verbundenheit zu den Sternen aus, die sein Herz und seinen Geist entflammen. Er sehnt sich danach, die Sterne in einer Zeit zu sehen, in der er von weltlichen Sorgen befreit ist und sich voll und ganz auf ihre Schönheit konzentrieren kann.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Hyperbel
- wie manche schöne Nacht / Hab ich / in dem ich euch betrachtete / gewacht
- Metapher
- Herolden diser Zeit
- Personifikation
- Ihr Blumen / die ihr schmückt des grossen Himmels Auen
- Vergleich
- Als Diamante spilt / und ohn Auffhören brennt