An die Sittlichkeitsprediger in Köln am Rheine
unknownWarum schimpfen Sie, Herr Lizentiate, Über die Unmoral in der Kemenate? Warum erheben Sie ein solches Geheule, Sie gnadentriefende Schöpsenkeule?
Ezechiel und Jeremiae Jünger, Was beschmeußen Sie uns mit dem Bibeldünger? Was gereucht Ihnen zu solchem Schmerze, Sie evangelische Unschlittkerze?
Was wissen Sie eigentlich von der Liebe Mit Ihrem Pastoren-Kaninchentriebe, Sie multiplizierter Kindererzeuger, Sie gottesseliger Bettbesteuger? .
Als wie die Menschen noch glücklich waren, Herr Lizentiate, vor vielen Jahren, Da wohnte Frau Venus im Griechenlande In schönen Tempeln am Meeresstrande.
Man hielt sie als Göttin in hohen Ehren Und lauschte willig den holden Lehren. Sie reden von einem schmutzigen Laster, Sie jammerseliges Sündenpflaster!
Sie haben den Schmutz wohl häufig gefunden In Ihren sündlichen Fleischesstunden Bei Ihrem christlichen Eheweibchen? In Frau Pastorens Flanellenleibchen?
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Interpretation
Das Gedicht "An die Sittlichkeitsprediger in Köln am Rheine" von Ludwig Thoma kritisiert scharf die Heuchelei und Selbstgerechtigkeit von moralisierenden Geistlichen. Thoma wirft den Lizentiats und Pastoren vor, über die Unmoral in der Gesellschaft zu schimpfen, während sie selbst in ihren eigenen Ehen und sexuellen Beziehungen nicht besser sind. Er verspottet ihre "Bibelpredigten" als "Dünger" und "Schmerz" und stellt ihre moralische Autorität in Frage. Thoma kontrastiert die freizügige und natürliche Sexualität der griechischen Göttin Venus mit der prüden und unterdrückten Sexualität der christlichen Ehe. Er suggeriert, dass die Menschen in der Vergangenheit glücklicher waren, als sie die Lehren der Venus befolgten und ihre Sexualität frei ausleben konnten. Die moderne Sexualmoral wird als "schmutziges Laster" und "sündhaftes Pflaster" dargestellt, das von den Geistlichen verbreitet wird. Das Gedicht endet mit einer sarkastischen Frage, ob die Geistlichen den "Schmutz" der Sexualität in ihren eigenen Ehen und Beziehungen gefunden haben. Thoma stellt ihre sexuelle Befriedigung und ihr sexuelles Verlangen in Frage und deutet an, dass sie selbst sexuell frustriert und unglücklich sind. Das Gedicht ist eine scharfe Kritik an der Heuchelei und Doppelmoral der christlichen Sexualmoral und eine Verteidigung der natürlichen und freien Sexualität.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Sie multiplizierter Kindererzeuger
- Anspielung
- Ezechiel und Jeremiae Jünger
- Bildsprache
- Sie haben den Schmutz wohl häufig gefunden
- Ironie
- Sie evangelische Unschlittkerze
- Metapher
- Sie gnadentriefende Schöpsenkeule
- Personifikation
- Frau Venus im Griechenlande
- Reimschema
- ABAB
- Spott
- Sie gottesseliger Bettbesteuger
- Übertreibung
- Was beschmeußen Sie uns mit dem Bibeldünger