An die Schweiz

Max von Schenkendorf

1783

Im December 1813.

Es tönt in allen Landen Ein Ruf zum heil′gen Streit; In ihrer Kraft erstanden Ist neu die Christenheit. Die Stürme Gottes fahren Und wecken jeden Mann, Wie da vor grauen Jahren Der Kreuzeszug begann.

Uralte Kräfte regen Sich schön und fürchterlich, In ihrer Gruft bewegen Die Freiheithelden sich. Es tritt aus seiner Höhle Der Felsengreis, der Tell, Und jauchzt aus voller Seele, Und prüft den Bolzen schnell.

Und du nur könntest wanken, Sonst hochgepries′ne Schweiz? Geöffnet stehn die Schranken - Hat Freiheittod nicht Reiz? Du bliebest unentzündet Von Gottes Wort und Strahl, Wärst nicht mit uns verbündet, Und hießest jetzt neutral?

O Schmach der feigen Seele, Die solches Wort erdacht! Kein freies Volk erwähle So schlechte Grenzenwacht! Dazu gab Gott uns Eisen, Den Armen gab er Kraft, Das männlich zu beweisen, Wuchs mancher Lanzenschaft.

Wenn′s euch nach Schlaf gelüstet, Wir haben Tag gemeint! Wir kommen an gerüstet: Freund, heißt es, oder Feind! Euch rufen Väterheere: »Ihr Schweizer! werdet wach! Der keuschen Mütter Ehre Errettet von der Schmach!«

»Wir konnten nimmer zeugen Ein schwächliches Geschlecht; Und wenn die Völker schweigen, Die Felsen schrei′n um Recht! O zündet schnell die Feuer Auf hohen Alpen an; Vielleicht erwarmt ein neuer Held Gottes sich daran.«

Es gründeten die Dreie Im stillen Felsenthal Der Freiheit und der Treue Ein Reich nach Gottes Wahl. Nicht für ein kleines Streiten Entbrannte das Gemüth; Ein Held für alle Zeiten, Fiel Arnold Winkelried.

Noch hängen Felsenmassen An die Lawine sich; Die Frommen ziehn und fassen Einander kräftiglich. Oft muß aus kleinem Samen Die größte That gedeihn: Darum, in Gottes Namen, Ihr Schweizer! schlaget drein!

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Illustration zu An die Schweiz

Interpretation

Das Gedicht "An die Schweiz" von Max von Schenkendorf ist ein patriotisches Werk, das im Dezember 1813 entstand. Es ruft die Schweizer dazu auf, sich im Kampf für Freiheit und Gerechtigkeit zu engagieren. Der Dichter verwendet starke Bilder und Metaphern, um die Dringlichkeit und Wichtigkeit dieses Aufrufs zu betonen. Das Gedicht beginnt mit einem Aufruf zum heiligen Kampf, der in allen Ländern zu hören ist. Es wird betont, dass die Christenheit in ihrer Kraft erstanden ist und dass die Stürme Gottes jeden Mann erwecken. Der Dichter erinnert an die Kreuzzüge der Vergangenheit und ruft die Schweizer auf, sich diesem Kampf anzuschließen. Im zweiten Teil des Gedichts werden die Schweizer als stolzes und tapferes Volk dargestellt. Der Dichter erwähnt den legendären Freiheitshelden Wilhelm Tell und ruft die Schweizer auf, ihre Stärke und Tapferkeit zu beweisen. Er betont, dass die Schweizer nicht neutral bleiben können und sollten, sondern sich aktiv am Kampf für Freiheit beteiligen müssen. Im letzten Teil des Gedichts wird die historische Bedeutung der Schweizer für die Freiheit hervorgehoben. Der Dichter erinnert an den Helden Arnold Winkelried, der im Kampf für die Freiheit gefallen ist. Er ruft die Schweizer auf, sich an diesem Erbe zu orientieren und mutig für ihre Überzeugungen einzustehen. Das Gedicht endet mit einem leidenschaftlichen Aufruf zum Handeln: "Ihr Schweizer! schlaget drein!"

Schlüsselwörter

gottes kraft seele schnell wort schmach gab schweizer

Wortwolke

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Stilmittel

Anapher
Es tönt in allen Landen Ein Ruf zum heil′gen Streit; In ihrer Kraft erstanden Ist neu die Christenheit.
Anspielung
Arnold Winkelried
Hyperbel
Es tritt aus seiner Höhle der Felsengreis, der Tell
Metapher
aus kleinem Samen Die größte That gedeihn
Personifikation
Die Stürme Gottes fahren und wecken jeden Mann
Rhetorische Frage
Hat Freiheittod nicht Reiz?
Symbolik
Die Frommen