An die Schönheit
1904So sind wir deinen Wundern nachgegangen wie Kinder die vom Sonnenleuchten trunken ein Lächeln um den Mund voll süßem Bangen und ganz im Strudel goldnen Lichts versunken aus dämmergrauen Abendtoren liefen. Fern ist im Rauch die große Stadt ertrunken
kühl schauernd steigt die Nacht aus braunen Tiefen. Nun legen zitternd sie die heißen Wangen an feuchte Blätter, die von Dunkel triefen
und ihre Hände tasten voll Verlangen auf zu dem letzten Sommertagsgefunkel das hinter roten Wäldern hingegangen -
ihr leises Weinen schwimmt und stirbt im Dunkel.
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Interpretation
Das Gedicht "An die Schönheit" von Ernst Stadler beschreibt eine Gruppe von Menschen, die fasziniert von der Schönheit der Natur in den Abend hinausziehen. Die Personen werden mit Kindern verglichen, die vom Sonnenlicht berauscht sind und ein Lächeln um den Mund haben, jedoch auch ein "süßes Bangen" empfinden. Sie sind ganz in den Strudel goldenen Lichts vertieft und kommen aus den "dämmergrauen Abendtoren" gelaufen. Die Großstadt ist im Rauch versunken und fern, während die Nacht aus den braunen Tiefen heraufkühlt und schaudert. Die Menschen legen zitternd ihre heißen Wangen an die feuchten Blätter, die von Dunkelheit triefen. Ihre Hände tasten voller Verlangen nach dem letzten Glitzern des Sommertages, das hinter den roten Wäldern verschwunden ist. Am Ende des Gedichts schwimmt und stirbt ihr leises Weinen im Dunkel. Es entsteht der Eindruck einer melancholischen Stimmung, in der die Menschen von der Schönheit der Natur überwältigt sind und gleichzeitig ein Gefühl von Vergänglichkeit und Verlust mitschwingt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- voll süßem Bangen
- Bildsprache
- das hinter roten Wäldern hingegangen
- Hyperbel
- aus dämmergrauen Abendtoren liefen
- Metapher
- auf zu dem letzten Sommertagsgefunkel
- Onomatopoesie
- ihr leises Weinen schwimmt und stirbt im Dunkel
- Personifikation
- kühl schauernd steigt die Nacht aus braunen Tiefen