An die Rose

Heinrich Christian Boie

1744

Sprößling einer Thrän’ Aurorens, Oder ob dich Amor schuf, O vernimm, geweihte Florens, Eines Herzens leisen Ruf!

Schleuß, o Rose! - Nein, versag’ es Meiner Sehnsucht Bitten noch! Blumen, Kinder eines Tages, Glänzen frisch und welken doch.

Sanft erröthend, wie du glühest, Wird Filinde bald dich sehn. Ach! sie blühet, wie du blühest, Und wie du wird sie vergehen!

Hast du meinen Ruf vernommen? Oefnest deine Knospe schon? Süße Rose, sei willkommen! Deiner harrt ein süßer Lohn.

Die dich pflückte soll dich drücken, Meine Hand, an ihre Brust. Wiße nur daß du sie schmücken, Aber nicht verbergen mußt.

An Filindens Busen prangend Stirbt dein Reiz zwar früher ab; Doch den schönen Platz verlangend, Neidet jeder selbst dein Grab.

Duft’ ihr Düfte, zart und linde! Doch erhalte dir den Dorn, Und wer dir sich naht, empfinde Deine Rache, meinen Zorn!

Auch gewähren neues Leben Dir vielleicht die Götter dann, Seufzer werden dich erheben, Wenn Filinde seufzen kann.

Thränen des Gefühls vergießen Lehre sie bei deinem Tod, Und der Jugendzeit genießen, Der ein gleiches Ende droht.

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Illustration zu An die Rose

Interpretation

Das Gedicht "An die Rose" von Heinrich Christian Boie ist eine Ode an eine Rose, die der Sprecher anfleht, sich zu öffnen und ihre Schönheit zu entfalten. Der Sprecher vergleicht die Rose mit seiner Geliebten Filinde, die ebenfalls jung und schön ist, aber auch dem Tod geweiht. Er bittet die Rose, ihren Duft und ihre Dornen zu behalten, um sich vor unerwünschten Verehrern zu schützen. Er hofft, dass die Rose nach ihrem Tod in Form von Seufzern und Tränen wiedergeboren wird, wenn Filinde seufzen und weinen kann. Das Gedicht ist eine Hommage an die Vergänglichkeit der Jugend und Schönheit, aber auch an die Hoffnung auf ein ewiges Leben in der Erinnerung und den Emotionen. Das Gedicht beginnt mit einer Frage nach der Herkunft der Rose, die entweder aus dem Tränen der Morgenröte oder aus der Hand des Amor entstanden sein könnte. Der Sprecher richtet sich an die Rose und bittet sie, seinen leisen Ruf zu hören. Er verwendet den Namen Florens, der entweder ein Dichter oder ein Gott der Blumen sein könnte, um die Rose zu weihen und zu ehren. Der Sprecher fordert die Rose auf, sich zu öffnen, aber auch ihr zu raten, ihre Schönheit noch nicht zu zeigen, da Blumen, die nur einen Tag leben, bald verwelken werden. Er erwähnt Filinde, die bald die Rose in ihrer zarten Röte sehen wird, und vergleicht sie mit der Rose, die ebenfalls blüht und vergehen wird. Das Gedicht geht weiter mit der Frage, ob die Rose seinen Ruf gehört hat und ob sie ihre Knospe schon geöffnet hat. Der Sprecher begrüßt die Rose als süß und verspricht ihr eine süße Belohnung. Er sagt, dass die Person, die die Rose gepflückt hat, sie an ihre Brust drücken wird, und dass die Rose wissen soll, dass sie sie schmücken, aber nicht verbergen wird. Der Sprecher beschreibt, wie die Rose an Filindens Busen prangt, aber auch wie ihr Reiz früher absterben wird. Er sagt, dass jeder den schönen Platz beneiden wird, den die Rose einnimmt, sogar ihr eigenes Grab. Das Gedicht endet mit der Aufforderung an die Rose, Filinde mit ihrem Duft zu umgeben, aber auch ihre Dornen zu behalten, um sich vor unerwünschten Verehrern zu schützen. Der Sprecher droht, dass jeder, der sich der Rose nähert, ihre Rache und seinen Zorn spüren wird. Er hofft, dass die Götter der Rose vielleicht ein neues Leben gewähren werden, wenn sie in Form von Seufzern wiedergeboren wird, wenn Filinde seufzen kann. Der Sprecher bittet die Rose, Filinde beizubringen, Tränen des Gefühls zu vergießen und die Jugendzeit zu genießen, da auch sie einem gleichen Ende geweiht ist.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Anapher
Sprößling einer Thrän' Aurorens, Oder ob dich Amor schuf, O vernimm, geweihte Florens, Eines Herzens leisen Ruf!
Apostrophe
O vernimm, geweihte Florens, Eines Herzens leisen Ruf!
Metapher
Der ein gleiches Ende droht
Personifikation
Sprößling einer Thrän' Aurorens
Vergleich
Sanft erröthend, wie du glühest