An die Prinzessin E.

Adolf Friedrich Graf von Schack

1815

Du lächelst hold beim Morgengruße, Als ob kein Gram auf Erden sei; Hold lächelnd schwebst mit leichtem Fuße Du abends mir im Tanz vorbei.

Und doch - die Schwermut ahnen alle, Die hin durch deine Seele schleicht; Denn früh den Schwamm voll bittrer Galle Hat dir die arge Welt gereicht.

An Herzen, die verzweifelnd brachen, Lag deines, bis zum Tod betrübt; So viel die Menschen dir versprachen Trug haben sie an dir verübt.

So laß die falsche Maske sinken Und nimm den Festkranz aus dem Haar; Mag sich das laute Leben schminken, Die Einsamkeit ist ewig wahr.

Gleich gilt vor ihr des Armen Kammer, Das prachtgeschmückte Fürstenhaus. - Geh denn und weine deinen Jammer Im dunklen Stübchen einsam aus.

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Illustration zu An die Prinzessin E.

Interpretation

Das Gedicht "An die Prinzessin E." von Adolf Friedrich Graf von Schack beschreibt die Melancholie und den inneren Schmerz einer Prinzessin, die trotz ihres privilegierten Lebens von tiefer Traurigkeit und Einsamkeit geplagt wird. Der Dichter beobachtet die Prinzessin in ihren täglichen Aktivitäten und bemerkt ein Lächeln, das ihre inneren Kämpfe zu verbergen scheint. Er versteht, dass sie von der "argen Welt" mit Bitterkeit und Enttäuschungen konfrontiert wurde, was ihre Seele schwermütig macht. Der Dichter erkennt, dass die Prinzessin ein Herz voller Schmerz trägt, das durch den Verlust von geliebten Menschen und die Enttäuschungen durch andere Menschen gezeichnet ist. Er fordert sie auf, die "falsche Maske" des Glücks fallen zu lassen und den "Festkranz" aus dem Haar zu nehmen, um ihre wahre Gefühle zu zeigen. Der Dichter betont, dass die Einsamkeit und die Wahrheit des eigenen Schmerzes wichtiger sind als das äußere Leben und die sozialen Erwartungen. Abschließend fordert der Dichter die Prinzessin auf, ihren Kummer in der Einsamkeit ihres Zimmers auszuleben und zu weinen. Er stellt klar, dass die Einsamkeit und der Schmerz vor der Pracht und dem Prunk des Fürstenhauses gleichgültig sind. Das Gedicht endet mit einem Appell an die Prinzessin, ihre Trauer zuzulassen und sich in der Einsamkeit zu erholen, um ihre innere Stärke wiederzufinden.

Schlüsselwörter

hold lächelst morgengruße kein gram erden lächelnd schwebst

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Stilmittel

Gleichnis
Gleich gilt vor ihr des Armen Kammer, Das prachtgeschmückte Fürstenhaus
Kontrast
Mag sich das laute Leben schminken, Die Einsamkeit ist ewig wahr
Metapher
Im dunklen Stübchen einsam aus
Personifikation
Die Schwermut ahnen alle