An die Mutter in Seattle
1914Weit übers Meer her schlägt mir, Mutter, Dein Herz entgegen – Wie müssen alle Weiten sich bewegen Vor deinen Herzenswellen.
Dir strömt, immer kindlich und gut, Mein Blut wie am Anfang – Immer wie einst rinnt Durch mich der ewige Klang, Dein Muttergesang: Du, mein Kind!
Schon hebt sich, langsam wandelnd, Die Stunde, die starker Rührung voll, Uns wieder zueinander bringen soll! Schon zittert Freude durch die Weiten – Schon fühle ich dein Herz herüber gleiten, Mutter –
Bald kommt der Augenblick Voll wunderbarer Strömung, Da ich, ein Kindlein, Mutter, Wieder zu dir sinke – Freude will in mir lallen – Eine Träne wird fallen – Bald, Mutter, bald!
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Interpretation
Das Gedicht "An die Mutter in Seattle" von Gerrit Engelke handelt von der tiefen emotionalen Verbundenheit zwischen dem lyrischen Ich und seiner Mutter, die weit entfernt in Seattle lebt. Das Herz der Mutter schlägt über das Meer hinweg dem Kind entgegen, und die Weiten zwischen ihnen bewegen sich vor den Herzenswellen der Mutter. Das Blut des lyrischen Ichs strömt der Mutter immer noch zu wie einst, und der ewige Klang des Muttergesangs "Du, mein Kind!" durchfließt es. Das Gedicht beschreibt die Sehnsucht und Vorfreude auf die Wiederbegegnung mit der Mutter. Die Stunde der starken Rührung, die die beiden wieder zueinander bringen soll, nähert sich langsam. Die Freude zittert durch die Weiten, und das Herz der Mutter gleitet herüber zum lyrischen Ich. Bald wird der Augenblick kommen, in dem das lyrische Ich sich wie ein Kindlein wieder in den Arm der Mutter sinken lassen wird. Die Freude möchte in ihm lallen, und eine Träne wird fallen - bald, Mutter, bald!
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- Eine Träne wird fallen
- Personifikation
- Schon hebt sich, langsam wandelnd, Die Stunde