An die Melancholie
1832Du geleitest mich durchs Leben, Sinnende Melancholie! Mag mein Stern sich strahlend heben, Mag er sinken - weichest nie!
Führst mich oft in Felsenklüfte, Wo der Adler einsam haust, Tannen starren in die Lüfte Und der Waldstrom donnernd braust.
Meiner Toten dann gedenk ich, Wild hervor die Träne bricht, Und an deinen Busen senk ich Mein umnachtet Angesicht.
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Interpretation
Das Gedicht "An die Melancholie" von Nikolaus Lenau ist ein tief empfundenes Loblied auf die Melancholie als ständigen Begleiter durch das Leben. Der Sprecher sieht die Melancholie als treue Gefährtin, die ihn unabhängig von den Höhen und Tiefen seines Lebens begleitet. Sie ist eine konstante Präsenz, die ihm in allen Lebenslagen zur Seite steht. In der zweiten Strophe führt die Melancholie den Sprecher in die Einsamkeit der Natur, in tiefe Felsklüfte und zu Orten, wo der Adler allein haust. Die Umgebung wird mit Bildern von starren Tannen und tosenden Waldströmen beschrieben, die eine düstere, aber auch faszinierende Atmosphäre schaffen. Diese Naturschilderungen verstärken das Gefühl der inneren Einkehr und der Auseinandersetzung mit tieferen, oft schmerzhaften Emotionen. Die letzte Strophe offenbart die emotionale Tiefe der Beziehung zwischen dem Sprecher und der Melancholie. Hier denkt der Sprecher an seine Verstorbenen, und die Trauer bricht in ihm auf. Die Melancholie wird zu einer tröstenden Mutterfigur, in deren Schoß er sein von Trauer verdunkeltes Gesicht vergräbt. Diese Geste symbolisiert eine tiefe Verbundenheit und das Finden von Trost in der Trauer selbst. Das Gedicht endet mit der Darstellung der Melancholie als einer Quelle des Trostes und der Reflexion, die es dem Sprecher ermöglicht, seine tiefsten Emotionen zu durchleben und zu verarbeiten.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Führst mich oft in Felsenklüfte, Wo der Adler einsam haust, Tannen starren in die Lüfte Und der Waldstrom donnernd braust.
- Metapher
- Mag mein Stern sich strahlend heben, Mag er sinken - weichest nie!
- Personifikation
- Du geleitest mich durchs Leben, Sinnende Melancholie!
- Symbolik
- Meiner Toten dann gedenk ich, Wild hervor die Träne bricht, Und an deinen Busen senk ich Mein umnachtet Angesicht.