An die Liebesgötter

Johann Georg Jacobi

1819

Entflieht ihr kleinen Heere Der lächelnden Cythere! Das Thal ist freudenleer; Bereift sind eure Flügel; Dem nackten, öden Hügel Tönt keine Leyer mehr.

Seht! wilde Jäger würgen Auf hallenden Gebürgen, Sie spotten eurer Macht; Von spröden Amazonen, Die nur in Wäldern wohnen, Wird Paphia verlacht.

Wollt ihr vielleicht beym Jagen Die Mordgewehre tragen, Der Netze Hüter seyn; Gedungen von Centauren, Auf hohen Aesten lauren, Zum Klang der Hörner schreyn?

Und wenn die Stürme wehen, Soll dann auf kalten Höhen, Wo Sonnenstrahl gebricht, Euch eure Fackel wärmen? Dem Wilde nachzuschwärmen, Gab sie Cythere nicht.

Das Laub, dem Hain entrissen, Stirbt unter euren Füßen: Flieht! alles ist verheert. O tragt die dürren Blätter, Ihr artigsten der Götter, Auf eines Dichters Herd!

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Illustration zu An die Liebesgötter

Interpretation

Das Gedicht "An die Liebesgötter" von Johann Georg Jacobi ist eine Klage über den Verlust der Liebe und der Liebesgötter in einer kalten, öden Welt. Die Liebesgötter, vertreten durch die "kleinen Heere der lächelnden Cythere", sind geflohen, da ihr Tal freudenleer und ihre Flügel bereift sind. Die einst von der Liebe erfüllte Welt ist nun ein nackter, öder Hügel, auf dem keine Leyer mehr ertönt. Die zweite Strophe beschreibt die wilden Jäger, die auf den hallenden Gebürgen jagen und die Macht der Liebesgötter verspotten. Die spröden Amazonen, die nur in Wäldern wohnen, verlachen Paphia, die Göttin der Liebe. Die Liebe scheint in dieser Welt keinen Platz mehr zu haben, da die Jagd und die Wildheit der Natur überhandnehmen. In der dritten Strophe fragt der Dichter, ob die Liebesgötter vielleicht beim Jagen die Mordgewehre tragen und die Hüter der Netze sein wollen. Sie sollen von den Centauren gedungen werden, auf hohen Ästen lauern und zum Klang der Hörner schreien. Der Dichter stellt die Frage, ob die Liebesgötter in dieser kalten, stürmischen Welt ihre Fackel auf kalten Höhen wärmen können, wo der Sonnenstrahl gebricht. Die Liebe scheint in dieser Welt keinen Platz mehr zu haben. In der letzten Strophe bittet der Dichter die Liebesgötter, das Laub, das dem Hain entrissen wurde, zu tragen und auf einem Dichterherd zu verbrennen. Der Dichter fordert die Liebesgötter auf, in die Welt der Poesie zurückzukehren und die Liebe wieder zum Leben zu erwecken. Das Gedicht endet mit der Hoffnung, dass die Liebe in der Welt der Poesie überleben kann.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
wilden Jäger würgen
Anapher
Entflieht ihr kleinen Heere
Metapher
Ihr artigsten der Götter
Personifikation
Dem nackten, öden Hügel