An die Liebe

Johanna Charlotte Unzer

1725

Liebe, die du mich belehret, Wie man süße Lieder singt: Liebe, die die Scherze nähret, Gib, daß mir ein Lied gelingt. Weihe mit verliebten Scherzen Meinen Trieb zur Dichtkunst ein, Und bezwing durch mich die Herzen: Ich will gern dein Herold seyn.

Theile dich mir mit, o! Liebe, Wie dem Weisen, der dein Lob Noch mit feurig starkem Triebe, Bey des Alters Frost, erhob. Ja, ich fühle schon dein Feuer: Doch dein Einfluß wirkt den Scherz Nicht in Liedern meiner Leyer, Nein, er wirkt ihn in mein Herz.

Ach, ich fühl ihn! Deine Freuden Sind ein süßer, banger Schmerz - - Laß ihn toben, ich will leiden, Und verwandl′ ihn nicht in Scherz. Lehr mich, bitt ich itzt, vor allen, Wenn mich Scherz und Jugend flieht, Meinem Damis zu gefallen, Der mein Herz stets nach sich zieht.

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Illustration zu An die Liebe

Interpretation

Das Gedicht "An die Liebe" von Johanna Charlotte Unzer ist ein leidenschaftliches Plädoyer an die Liebe, die den Sprecher in seinen künstlerischen und emotionalen Ausdrucksformen beeinflusst. Die Liebe wird als Lehrmeisterin dargestellt, die den Sprecher lehrt, "süße Lieder" zu singen und "Scherze" zu nähren. Der Sprecher bittet die Liebe, seinen Trieb zur Dichtkunst zu weihen und durch ihn die Herzen zu bezwingen, wobei er sich bereit erklärt, ihr Herold zu sein. In der zweiten Strophe bittet der Sprecher die Liebe, sich ihm mitzuteilen, wie sie es dem Weisen tat, der trotz des Altersfrostes noch mit feurigem Triebe ihr Lob erhob. Der Sprecher fühlt bereits das Feuer der Liebe, doch deren Einfluss wirkt sich nicht in Scherzen seiner Leyer aus, sondern in seinem Herzen. Dies verdeutlicht die tiefe emotionale Wirkung, die die Liebe auf den Sprecher hat. Die dritte Strophe offenbart die ambivalente Natur der Liebe. Die Freuden der Liebe werden als "süßer, banger Schmerz" beschrieben, den der Sprecher bereit ist zu erleiden, ohne ihn in Scherz zu verwandeln. Er bittet die Liebe, ihn zu lehren, auch wenn Scherz und Jugend ihn verlassen, seinem Damis zu gefallen, der sein Herz stets nach sich zieht. Dies unterstreicht die tiefe Verbundenheit und die Bereitschaft, für die Liebe zu leiden. Insgesamt ist das Gedicht ein eindringliches Bekenntnis zur Macht der Liebe, die den Sprecher in seiner künstlerischen und emotionalen Entwicklung prägt und ihn dazu bringt, tiefere Gefühle und Erfahrungen zu machen, selbst wenn diese mit Schmerz verbunden sind.

Schlüsselwörter

liebe scherz will wirkt herz belehret süße lieder

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Laß ihn toben, ich will leiden
Anapher
Liebe, die du mich belehret, Liebe, die die Scherze nähret
Apostrophe
Liebe, die du mich belehret
Hyperbel
Und bezwing durch mich die Herzen
Kontrast
Bey des Alters Frost