An die Liebe
1735Liebe! Allerliebste Liebe, Segne mich mit deinem Triebe! Laß mich deinen Reiz empfinden, Laß mich deine Gluth entzünden; Laß mir hübsch durch dein Genießen Zeit und Stunden schneller fließen!
Laß mir’s an der Müh’, zu wählen, Aber nie an Schönen fehlen; Und damit auch viel Beschwerden Durch ein Mittel minder werden, Laß mir künftig nur von allen Eine schön seyn und gefallen!
Lehre sie, mich ganz zu kennen; Klug zu frieren, klug zu brennen; Lehre, witzig abzuschlagen, Und nur reizend »Ja!« zu sagen. Lehre sie, aus Wort und Werken Meinen Wunsch und Willen merken!
Lehr’ sie aber: Wunsch und Willen Nicht zur Unzeit zu erfüllen, Daß sie sich erst artig schäme, Und sich nicht zu bald bequeme! Lehre sie die süßen Mienen, Die der Lust zum Vortheil dienen; Lehre alle Fröhlichkeiten Und dabei, was sie bedeuten!
Laß sie stets in Unschuld prangen, Nie zu viel von mir verlangen; Auch daß sie’s verständig klage, Wenn ich ihr zu viel versage! – Lehre, wie man nie veralte, Wie man Reiz und Werth behalte, Wenn auch einst auf Brust und Wangen Aller Rosen Schmuck vergangen!
Lehr’ sie, wenn wir uns vereinen Treu zu seyn und treu zu scheinen, Daß sie mich mit nichts betrübe Und mich immer stärker liebe! Lehr’ auch mich durch deine Lehren, Solchen Engel recht zu ehren, Daß er, wenn ich ihn vergnüge, Keine Lust zum Wechsel kriege!
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Interpretation
Das Gedicht "An die Liebe" von Johann Wilhelm Ludwig Gleim ist ein leidenschaftliches Plädoyer für die Liebe und ihre vielfältigen Facetten. Der Sprecher richtet sich direkt an die Liebe und bittet sie, ihn mit ihrem Trieb zu segnen und seine Sinne zu erwecken. Er sehnt sich danach, die Schönheit und Leidenschaft der Liebe zu erfahren und wünscht sich, dass die Zeit in ihrer Gegenwart schneller vergeht. In den folgenden Strophen geht es um die Wünsche des Sprechers bezüglich seiner zukünftigen Liebeserfahrungen. Er bittet die Liebe darum, ihm bei der Wahl einer Partnerin behilflich zu sein, aber auch darum, dass er nie an Schönheiten mangeln möge. Der Sprecher wünscht sich, dass die Liebe ihm beibringt, wie er die Frau seiner Träume erkennen und gewinnen kann, indem er ihr seine Wünsche und Absichten auf subtile Weise mitteilt. Im letzten Teil des Gedichts bittet der Sprecher die Liebe um Weisheit und Rat in Bezug auf die Pflege einer langfristigen Beziehung. Er wünscht sich, dass die Liebe ihm beibringt, wie man die Leidenschaft und den Reiz einer Beziehung über die Zeit hinweg bewahrt, auch wenn die körperliche Schönheit verblasst. Der Sprecher bittet darum, dass die Liebe ihn lehrt, seiner Partnerin treu zu bleiben und sie zu ehren, damit sie keine Lust verspürt, ihn zu verlassen oder sich einem anderen zuzuwenden.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Klug zu frieren, klug zu brennen
- Anapher
- Liebe! Allerliebste Liebe, Segne mich mit deinem Triebe!
- Hyperbel
- Laß mir künftig nur von allen Eine schön seyn und gefallen!
- Metapher
- Daß er, wenn ich ihn vergnüge, Keine Lust zum Wechsel kriege
- Personifikation
- Liebe! Allerliebste Liebe, Segne mich mit deinem Triebe!