An die Leier
1746Töne, frohe Leier, Töne Lust und Wein! Töne, sanfte Leier, Töne Liebe drein!
Wilde Krieger singen, Haß und Rach′ und Blut In die Laute singen, Ist nicht Lust, ist Wut.
Zwar der Heldensänger Sammelt Lorbeern ein; Ihn verehrt man länger. Lebt er länger? Nein.
Er vergräbt im Leben Sich in Tiefsinn ein: Um erst dann zu leben, Wann er Staub wird sein.
Lobt sein göttlich Feuer, Zeit und Afterzeit! Und an meiner Leier Lobt die Fröhlichkeit.
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Interpretation
Das Gedicht "An die Leier" von Gotthold Ephraim Lessing ist ein Plädoyer für die heitere und fröhliche Musik, die Trost und Freude bringt. Der Sprecher richtet sich direkt an die Leier, ein Musikinstrument, und fordert sie auf, Töne der Lust, des Weins und der Liebe zu spielen. Diese Musik soll im Gegensatz zur wilden und aggressiven Musik der Krieger stehen, die Hass, Rache und Blut besingt. In den folgenden Strophen wird der Unterschied zwischen dem Helden und dem Sänger deutlich. Der Heldensänger, der mit seiner Musik Lorbeeren sammelt und länger verehrt wird, lebt nicht länger als andere. Er versinkt in Tiefsinn und erst dann, wenn er tot ist, wird er wahrhaft lebendig. Dies deutet auf die vergängliche Natur des Ruhms und die Leere hin, die oft mit einem Leben im Streben nach Anerkennung einhergeht. Das Gedicht endet mit einem Aufruf, die göttliche Feuer der Zeit und der Ewigkeit zu loben, aber auch die Fröhlichkeit an der Leier des Sprechers. Dies zeigt, dass der Sprecher die heitere und fröhliche Musik als einen Weg zur ewigen Anerkennung und zum wahren Leben ansieht. Die Leier wird als Symbol für die Kraft der Musik verwendet, die Menschen in schwierigen Zeiten trösten und ihnen Freude bringen kann.
Schlüsselwörter
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Stilmittel
- Anapher
- Töne, frohe Leier, Töne Lust und Wein! Töne, sanfte Leier, Töne Liebe drein!
- Chiasmus
- Um erst dann zu leben, / Wann er Staub wird sein.
- Kontrast
- Töne Lust und Wein! / Töne, sanfte Leier, / Töne Liebe drein! / Wilde Krieger singen, / Haß und Rach′ und Blut / In die Laute singen, / Ist nicht Lust, ist Wut.
- Metapher
- Sammelt Lorbeern ein
- Rhetorische Frage
- Lebt er länger? Nein.