An die Kunstrichter

Gotthold Ephraim Lessing

1771

Schweigt, unberauschte, finstre Richter! Ich trinke Wein, und bin ein Dichter. Tut mir es nach, und trinket Wein, So seht ihr meine Schönheit ein. Sonst wahrlich, unberauschte Richter, Sonst wahrlich seht ihr sie nicht ein!

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Interpretation

Das Gedicht "An die Kunstrichter" von Gotthold Ephraim Lessing ist ein leidenschaftlicher Aufruf an die Kunstkritiker, sich von ihrer vermeintlichen Objektivität zu lösen und die Kunst mit mehr Leidenschaft und Emotion zu betrachten. Lessing fordert die Richter auf, Wein zu trinken, um ihre Hemmungen zu lösen und die Schönheit seiner Dichtung zu erkennen. In den ersten beiden Versen setzt Lessing einen Kontrast zwischen den "unberauschten" Richtern und sich selbst als Dichter, der Wein trinkt. Dies impliziert, dass die Richter zu sehr in ihrer Rationalität verhaftet sind und die emotionale Seite der Kunst nicht verstehen können. Durch den Hinweis auf den Wein suggeriert Lessing, dass man, um Kunst wirklich zu begreifen, seine Sinne öffnen und sich auf eine emotionale Ebene begeben muss. Der dritte und vierte Vers enthalten eine direkte Aufforderung an die Richter, dem Beispiel des Dichters zu folgen und ebenfalls Wein zu trinken. Nur so, so argumentiert Lessing, können sie die Schönheit seiner Dichtung erkennen und wertschätzen. Die Betonung liegt hier auf dem Wort "einsehen", was sowohl das Verstehen als auch das Akzeptieren der Schönheit der Dichtung impliziert. Im letzten Vers verstärkt Lessing seine Aussage, indem er die Richter erneut als "unberauscht" bezeichnet und betont, dass sie die Schönheit seiner Dichtung sonst nicht erkennen werden. Dies verdeutlicht, dass Lessing der Meinung ist, dass die Richter ihre Voreingenommenheit ablegen und sich auf eine emotionalere Ebene begeben müssen, um Kunst wirklich zu verstehen und zu würdigen.

Schlüsselwörter

unberauschte richter wein seht sonst wahrlich schweigt finstre

Wortwolke

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Stilmittel

Anapher
Schweigt, unberauschte, finstre Richter! Ich trinke Wein, und bin ein Dichter.
Imperativ
Schweigt, unberauschte, finstre Richter!
Kontrast
Schweigt, unberauschte, finstre Richter! Ich trinke Wein, und bin ein Dichter.
Parallelismus
Schweigt, unberauschte, finstre Richter! Ich trinke Wein, und bin ein Dichter. Tut mir es nach, und trinket Wein
Wiederholung
unberauschte, finstre Richter