An die Kunst

Friedrich Hebbel

1813

Dir, heil′ge Kunst, dir hab′ ich mich ergeben! Nicht drängt′ ich mich, du riefst mich zum Altare, Ich rang mit dir, ob ich mich frei bewahre, Du siegtest, nimm mich denn auf Tod und Leben!

Nun wollen Träume meinen Blick umweben, Ich aber schau′ hinab auf ernste Jahre, Doch, wie sich auch zum Kampf der Pöbel schare, Am Ende siegt ein gottgebornes Streben.

Viel trage ich, doch schlägt mir die Entbehrung Der Welt-Idee, auf deren Leib ich hoffe, Durch Puppen-Larven leicht die Todeswunde.

Was tut′s? Die echte Zeugung ist Entleerung Des Einzelwesens von dem Weltenstoffe Und geht mit ihrem Vater nicht zugrunde.

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Illustration zu An die Kunst

Interpretation

Das Gedicht "An die Kunst" von Friedrich Hebbel ist eine tiefgründige Reflexion über die Beziehung des Künstlers zur Kunst. Hebbel betrachtet die Kunst als eine heilige Instanz, der er sich vollkommen hingibt. Die Kunst wird als ein Altar dargestellt, zu dem er gerufen wurde, was auf eine Berufung oder einen göttlichen Auftrag hindeutet. Der Kampf, den er mit der Kunst ausfocht, um seine Freiheit zu bewahren, endet damit, dass er sich ihr unterwirft, was die überwältigende Macht der Kunst und ihre Fähigkeit, den Künstler zu transformieren, unterstreicht. In der zweiten Strophe blickt Hebbel auf die Vergangenheit zurück und erkennt die Ernsthaftigkeit des Lebens und die Herausforderungen, die es mit sich bringt. Trotz der Kämpfe und des Tumults, den das Leben mit sich bringt, bleibt er standhaft in seinem Glauben an die Kraft des künstlerischen Strebens. Dieses Streben wird als "gottgebornes" bezeichnet, was impliziert, dass es eine göttliche oder übernatürliche Qualität besitzt und letztlich triumphieren wird. Die Kunst wird hier als eine Kraft dargestellt, die stärker ist als die vergänglichen Kämpfe des Alltags. Die letzte Strophe spricht von der Last, die Hebbel trägt, und der Entbehrung, die er erfährt. Er vergleicht die Welt-Idee, an die er glaubt, mit einem Körper, der durch die "Puppen-Larven" leicht verwundet werden kann. Dies könnte als Kritik an der Oberflächlichkeit und dem Mangel an Tiefe in der Gesellschaft interpretiert werden. Die "echte Zeugung" ist für Hebbel die Entleerung des Einzelwesens von dem "Weltenstoffe", was bedeutet, dass der Künstler sich selbst auflöst, um Teil des größeren Ganzen zu werden. Dies ist ein Prozess der Schöpfung, der nicht zum Untergang führt, sondern vielmehr zur Fortsetzung und Erneuerung des Lebens und der Kunst führt.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Metapher
Und geht mit ihrem Vater nicht zugrunde
Personifikation
Du siegtest, nimm mich denn auf Tod und Leben!