An die Königin von Preussen
1883Erwäg’ ich, wie, in jenen Schreckenstagen, Still deine Brust verschlossen, was sie litt, Wie du das Unglück, mit der Grazie Tritt, Auf jungen Schultern herrlich hast getragen,
Wie von des Kriegs zerrißnem Schlachtenwagen Selbst oft die Schar der Männer zu dir schritt, Wie trotz der Wunde, die dein Herz durchschnitt, Du stets der Hoffnung Fahn uns vorgetragen:
O Herrscherin, die Zeit dann möcht ich segnen! Wir sahn dich Anmut endlos niederregnen, Wie groß du warst, das ahndeten wir nicht!
Dein Haupt scheint wie von Strahlen mir umschimmert; Du bist der Stern, der voller Pracht erst flimmert, Wenn er durch finstre Wetterwolken bricht!
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Interpretation
Das Gedicht "An die Königin von Preußen" von Heinrich von Kleist ist ein Lobgedicht auf die preußische Königin Luise. Der Dichter preist ihre Stärke und Anmut in schweren Zeiten, insbesondere während der napoleonischen Kriege. Er bewundert, wie sie trotz persönlichen Leids und der Wunden, die ihr Herz durchschlugen, stets die Hoffnung vorangetrug und den Männern als Vorbild diente. Kleist beschreibt die Königin als eine strahlende Figur, deren Anmut endlos niederging und deren Größe erst im Rückblick vollständig erkannt wurde. Er vergleicht sie mit einem Stern, der seine volle Pracht erst entfaltet, wenn er durch dunkle Wolken bricht. Diese Metapher verdeutlicht, dass die wahre Größe der Königin erst in Zeiten der Not und des Leids sichtbar wurde. Das Gedicht ist ein Ausdruck der Verehrung und des Respekts für die Königin, die als Symbol für Hoffnung und Stärke in einer schwierigen Zeit steht. Kleist sieht in ihr eine Führungspersönlichkeit, die durch ihre Anmut und Würde das Volk inspirierte und ermutigte.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Wann er durch finstre Wetterwolken bricht
- Hyperbel
- Anmut endlos niederregnen
- Metapher
- Wie von des Kriegs zerrißnem Schlachtenwagen
- Personifikation
- Wie trotz der Wunde, die dein Herz durchschnitt
- Vergleich
- Du bist der Stern, der voller Pracht erst flimmert