An die Königin Luise von Preussen (3. Fassung)

Heinrich von Kleist

1808

Erwäg ich, wie in jenen Schreckenstagen, Still deine Brust verschlossen, was sie litt, Wie du das Unglück, mit der Grazie Tritt, Auf jungen Schultern herrlich hast getragen,

Wie von des Kriegs zerrißnem Schlachtenwagen Selbst oft die Schar der Männer zu dir schritt, Wie, trotz der Wunde, die dein Herz durchschnitt, Du stets der Hoffnung Fahn uns vorgetragen:

O Herrscherin, die Zeit dann möcht ich segnen! Wir sahn dich Anmut endlos niederregnen, Wie groß du warst, das ahndeten wir nicht!

Dein Haupt scheint wie von Strahlen mir umschimmert; Du bist der Stern, der voller Pracht erst flimmert, Wenn er durch finstre Wetterwolken bricht!

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Illustration zu An die Königin Luise von Preussen (3. Fassung)

Interpretation

Das Gedicht "An die Königin Luise von Preussen (3. Fassung)" von Heinrich von Kleist ist eine Hommage an die preußische Königin Luise, die während der Napoleonischen Kriege als Symbol der Hoffnung und Stärke galt. Der Dichter schildert, wie Luise in den schrecklichen Tagen des Krieges mit Anmut und Würde das Unglück trug und die Hoffnung aufrecht erhielt. Er bewundert ihre Fähigkeit, selbst in den schwierigsten Momenten eine Quelle der Inspiration und des Trostes für die Menschen zu sein. Kleist beschreibt, wie Luise inmitten der Zerstörung und des Leids eine strahlende Figur war, die die Menschen ermutigte und ihnen Mut machte. Er vergleicht sie mit einem Stern, der erst in seiner vollen Pracht erstrahlt, wenn er durch dunkle Wolken bricht. Dieses Bild unterstreicht die Idee, dass Luise in den dunkelsten Zeiten eine leuchtende Hoffnung war und dass ihre Größe erst inmitten der Widrigkeiten sichtbar wurde. Das Gedicht endet mit einem Ausdruck der Bewunderung und des Respekts für Luise. Kleist segnet die Zeit, in der sie lebte, und erkennt an, dass ihre wahre Größe erst im Nachhinein erkannt wurde. Er beschreibt ihr Haupt als von Strahlen umgeben, was ihre göttliche oder übermenschliche Qualität betont. Insgesamt ist das Gedicht eine ergreifende Hommage an eine Frau, die in einer Zeit des nationalen Leids zur Symbolfigur der Hoffnung und Stärke wurde.

Schlüsselwörter

erwäg jenen schreckenstagen still brust verschlossen litt unglück

Wortwolke

Wortwolke zu An die Königin Luise von Preussen (3. Fassung)

Stilmittel

Alliteration
Selbst oft die Schar der Männer zu dir schritt
Bildsprache
Wie von des Kriegs zerrißnem Schlachtenwagen Selbst oft die Schar der Männer zu dir schritt
Hyperbel
O Herrscherin, die Zeit dann möcht ich segnen! Wir sahn dich Anmut endlos niederregnen
Metapher
Dein Haupt scheint wie von Strahlen mir umschimmert; Du bist der Stern, der voller Pracht erst flimmert, Wenn er durch finstre Wetterwolken bricht!
Personifikation
Wie du das Unglück, mit der Grazie Tritt, Auf jungen Schultern herrlich hast getragen
Symbolik
Du bist der Stern, der voller Pracht erst flimmert, Wenn er durch finstre Wetterwolken bricht