An die Königin Luise von Preussen (2. Fassung)
unknownDu, die das Unglück mit der Grazie Schritten, Auf jungen Schultern, herrlich jüngsthin trug: Wie wunderbar ist meine Brust verwirrt, In diesem Augenblick, da ich auf Knieen, Um dich zu segnen, vor dir niedersinke. Ich soll dir ungetrübte Tag′ erflehn: Dir, die der hohen Himmelssonne gleich, In voller Pracht nur strahlt und Herrlichkeit, Wenn sie durch finstre Wetterwolken bricht. O du, die aus dem Kampf empörter Zeit, Die einzge Siegerin, hervorgegangen: Was für ein Wort, dein würdig, sag ich dir? So zieht ein Cherub, mit gespreizten Flügeln, Zur Nachtzeit durch die Luft, und, auf den Rücken Geworfen, staunen ihn, von Glanz geblendet, Der Welt betroffene Geschlechter an. Wir alle mögen, Hoh′ und Niedere, Von den Ruinen unsers Glücks umgeben, Gebeugt von Schmerz, die Himmlischen verklagen, Doch du Erhabene, du darfst es nicht! Denn eine Glorie, in jenen Nächten, Umglänzte deine Stirn, von der die Welt Am lichten Tag der Freude nichts geahnt: Wir sahn dich Anmut endlos niederregnen, Daß du so groß als schön warst, war uns fremd! Viel Blumen blühen in dem Schoß der Deinen Noch deinem Gurt zum Strauß, und du bists wert, Doch eine schönre Palm erringst du nicht! Und würde dir, durch einen Schluß der Zeiten Die Krone auch der Welt: die goldenste, Die dich zur Königin der Erde macht, Hat still die Tugend schon dir aufgedrückt. Sei Teure, lange noch des Landes Stolz, Durch frohe Jahre, wie, durch frohe Jahre, Du seine Lust und sein Entzücken warst!
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "An die Königin Luise von Preussen (2. Fassung)" von Heinrich von Kleist ist ein Lobgedicht auf Königin Luise von Preußen. Der Dichter preist ihre Grazie und Schönheit, die selbst in Zeiten des Unglücks und der Not strahlt. Er vergleicht sie mit der Sonne, die nur in voller Pracht scheint, wenn sie durch dunkle Wolken bricht, und sieht in ihr die einzige Siegerin aus dem Kampf der Zeit. Kleist betont die Bewunderung und den Respekt, den die Menschen für die Königin haben. Er beschreibt sie als eine himmlische Erscheinung, die selbst in den dunkelsten Nächten eine Glorie umgibt. Die Welt konnte nicht ahnen, wie groß und schön sie war, als sie mit Anmut und Würde handelte. Der Dichter vergleicht sie mit einem Cherub, der durch die Nacht fliegt und die Menschen mit seinem Glanz blendet. Kleist erklärt, dass alle Menschen, ob hoch oder niedrig, von den Ruinen ihres Glücks umgeben und von Schmerz gebeugt sind. Doch die Königin darf es nicht wagen, die Himmlischen zu verklagen, da sie selbst eine himmlische Glorie umgibt. Sie ist es wert, dass Blumen in ihrem Schoß blühen und dass ihr eine schönere Palme nicht zu erlangen ist. Selbst wenn sie die Krone der Welt erhalten würde, hätte die Tugend ihr bereits die höchste Ehre erwiesen. Kleist wünscht der Königin, dass sie noch lange das Stolz des Landes sein möge und durch frohe Jahre gehe, wie sie es bereits war.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Durch frohe Jahre, wie, durch frohe Jahre
- Anapher
- Viel Blumen blühen in dem Schoß der Deinen
- Apostrophe
- O du, die aus dem Kampf empörter Zeit
- Bildsprache
- So zieht ein Cherub, mit gespreizten Flügeln
- Hyperbel
- Daß du so groß als schön warst, war uns fremd
- Kontrast
- Gebeugt von Schmerz, die Himmlischen verklagen
- Metapher
- Die dich zur Königin der Erde macht
- Personifikation
- Wenn sie durch finstre Wetterwolken bricht
- Symbolik
- Eine Glorie, in jenen Nächten, umglänzte deine Stirn
- Vergleich
- Dir, die der hohen Himmelssonne gleich