An die Königin Luise von Preussen (1. Fassung)

Heinrich von Kleist

1811

Die Glocke ruft, hoch, von geweihter Stelle, Zum Dom das Volk, das durch die Straßen irrt. Das Tor steht offen schon, und Kerzenhelle Wogt von dem Leuchter, der den Altar ziert. Bestreut, nach Festesart, ist Trepp und Schwelle, Die in das Innere der Kirche führt, Und, unter Tor′ und Pfeilern, im Gedränge, Harrt, lautlos, die erwartungsvolle Menge.

Und die das Unglück, mit der Grazie Tritten, Auf jungen Schultern, herrlich jüngsthin trug, Als einzge Siegerin vom Platz geschritten, Da jüngst des Himmels Zorn uns niederschlug, Sie, die, aus giftiger Gewürme Mitten, Zum Äther aufstieg, mit des Adlers Flug: Sie tritt herein, in Demut und in Milde, Und sinkt auf Knieen hin, am Altarbilde.

O einen Cherub, aus den Sternen, nieder, Die Palmenkron in der erhobnen Hand, Der sie umschweb, auf glänzendem Gefieder, Gelagert still, auf goldner Wolken Rand, Der, unterm Flötenton seraphscher Lieder, Den Kranz erhöh, von Gott ihr zuerkannt, Und, vor des Volkes frommerstauntem Blicke, Auf ihre heilge Schwesterstirne drücke.

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Illustration zu An die Königin Luise von Preussen (1. Fassung)

Interpretation

Das Gedicht "An die Königin Luise von Preussen (1. Fassung)" von Heinrich von Kleist ist eine Huldigung an die preußische Königin Luise. Das Gedicht beginnt mit einer Beschreibung einer kirchlichen Zeremonie, bei der das Volk zum Dom gerufen wird. Die Königin wird als Siegerin dargestellt, die das Unglück mit Anmut und Würde trägt. Sie wird als einzige Siegerin dargestellt, die aus den Tiefen der Not aufsteigt und in den Äther aufsteigt. Die Königin tritt demütig und milde in die Kirche ein und kniet vor dem Altarbild nieder. Das Gedicht verwendet starke Bilder und Metaphern, um die Königin zu beschreiben. Sie wird als Adler dargestellt, der aus den giftigen Tiefen aufsteigt und in den Äther aufsteigt. Sie wird auch als Siegerin dargestellt, die allein vom Platz schreitet, als der Zorn des Himmels über das Volk kam. Die Königin wird als eine heilige Figur dargestellt, die von einem Cherub aus den Sternen umgeben ist. Der Cherub hält eine Palmenkrone in der Hand und legt sie auf den Kopf der Königin, als Zeichen der Anerkennung und Ehre von Gott. Das Gedicht endet mit einer Beschreibung der Königin, die von dem Volk mit Ehrfurcht und Staunen betrachtet wird. Die Königin wird als eine heilige Schwester dargestellt, die von Gott geehrt wird. Das Gedicht ist eine Hommage an die Königin und ihre Stärke, Würde und Anmut in Zeiten der Not. Es ist auch eine Anerkennung ihrer Rolle als Führerin und Symbol der Hoffnung für das Volk.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

Wortwolke zu An die Königin Luise von Preussen (1. Fassung)

Stilmittel

Alliteration
[Glocke ruft Geweihter Stelle Kerzenhelle Trepp und Schwelle Festesart Gedränge Graces Tritten Schultern, herrlich Jüngst des Himmels Gewürme Mitten Äther aufstieg Adlers Flug Demut und Milde Sternen, nieder Palmenkron erhobnen Hand Gefieder goldner Wolken Flötenton seraphscher Lieder frommerstauntem Blicke heilge Schwesterstirne]
Hyperbel
[Als einzge Siegerin vom Platz geschritten Zum Äther aufstieg, mit des Adlers Flug]
Metapher
[Die Glocke ruft, hoch, von geweihter Stelle Zum Dom das Volk, das durch die Straßen irrt Die in das Innere der Kirche führt Und, unter Tor′ und Pfeilern, im Gedränge Sie, die, aus giftiger Gewürme Mitten Zum Äther aufstieg, mit des Adlers Flug Sie tritt herein, in Demut und in Milde O einen Cherub, aus den Sternen, nieder Die Palmenkron in der erhobnen Hand Der sie umschweb, auf glänzendem Gefieder Gelagert still, auf goldner Wolken Rand Der, unterm Flötenton seraphscher Lieder Den Kranz erhöh, von Gott ihr zuerkannt Und, vor des Volkes frommerstauntem Blicke Auf ihre heilge Schwesterstirne drücke]
Personifikation
[Die Glocke ruft des Himmels Zorn uns niederschlug]
Symbolik
[Die Glocke ruft Zum Dom das Volk Kerzenhelle Trepp und Schwelle Das Tor steht offen Palmenkron goldner Wolken Rand]