An die Hoffnung

Peter Hille

1870

Als geschwunden der kindische Wahn, Es würde sich klären Das Chaos, die Träume, Sich klären zur Dichtung, Werden zur Wahrheit, - - Als gewichen der Wahn, Wie stand ich verzweifelt, Starrte ins Leere, In trostlose Nacht!

Sollte mein Auge Geworfen nur haben Den Unglücksblick Ins Strahlenmeer der heiligen Dichtung, Daß ich wanke Ins Dunkel, Wanke ins graue Leben des Alltags? Tiefe, traurig tiefe Nacht!

Da seh′ ich ein Licht, Ein schwaches schwankendes Licht, Es wird größer, wird heller. - Verschwunden ist′s. - Da leuchtet es wieder, Größer und größer, Ich sehe den Stern, Der tröstend mir winkt.

Sehe beleuchtet von ihm Deine rosigen Finger, Dein holdes Gesicht, O du meine Hoffnung! Es lichtet schon mehr sich und mehr Das trübe Dunkel. Entgegen schon seh ich mir schimmern Den Himmel des Ruhmes, An deiner Hand Erreich ich ihn bald. Glück nur und Dank und strebender Eifer Schwellt die freudige Seele, Noch eben umnachtet! Dank dir, innigster Dank Dir, Trösterin Hoffnung.

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Illustration zu An die Hoffnung

Interpretation

Das Gedicht "An die Hoffnung" von Peter Hille erzählt von der Reise eines Menschen von der Verzweiflung zur Hoffnung. Es beginnt mit der Erkenntnis, dass die kindliche Vorstellung, Chaos und Träume würden sich zur Dichtung und Wahrheit klären, geschwunden ist. Der Sprecher steht verzweifelt da und starrt in die trostlose Nacht, nachdem er einen Blick ins Strahlenmeer der heiligen Dichtung geworfen hat und ins Dunkel des Alltags gewankt ist. Dann erscheint ein schwaches, schwankendes Licht, das größer und heller wird. Es verschwindet und leuchtet wieder, bis der Sprecher einen Stern sieht, der ihm tröstend zuwinkt. Die Hoffnung, personifiziert als weibliche Gestalt mit rosigen Fingern und holdem Gesicht, erscheint und erhellt die Dunkelheit. Der Himmel des Ruhmes schimmert schon entgegen, und der Sprecher wird ihn bald an der Hand der Hoffnung erreichen. Die Seele des Sprechers, die eben noch umnachtet war, schwillt nun von Glück, Dank und strebendem Eifer. Er dankt der Hoffnung innig, die ihm als Trösterin zur Seite steht. Das Gedicht endet mit einer optimistischen Botschaft, dass die Hoffnung den Weg aus der Verzweiflung weisen und den Menschen zu einem besseren, erfüllteren Leben führen kann.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Anapher
Dank dir, innigster Dank Dir, Trösterin Hoffnung
Hyperbel
In trostlose Nacht
Metapher
Die freudige Seele
Personifikation
Als geschwunden der kindische Wahn